Was sein Schwiegersohn für komische Gedankenspaziergänge unternahm! Er selbst hatte ja auch manchmal Halluzinationen, nämlich wenn er seiner Geliebten zu eifrig zugesprochen hatte, aber so verrücktes Zeug kam ihm nicht in den Sinn. Ihm erschien höchstens ein Riese und trommelte ihm mit einer Keule auf den Schädel, und wenn er sich dann aufrichtete, sah er, daß er im Suff mit dem Kopf wider die Drechslerbank geschlagen war, und so lösten seine Visionen sich stets natürlich und logisch.

Aber was sein Schwiegersohn in der letzten Zeit mitunter phantasierte, das grenzte ja an helle Verrücktheit.

»Es schlägt sich bei em uffs Gehirn!« dachte er und beschloß, dem Gespräch wieder eine reale Wendung zu geben. »Was war dann los? Was hat se dann gehabbt?«

»Was se jedz #immer# hat! Se hat doch jedz die fix Idee: ich mißt mehr
verdiene! Da leiht se merr derrmit in de Ohrn, des is ihr
Leibtrompetestick, wo se merr von frieh bis in die Nacht enei vorbläst!
Des geht wie e Uhrwerk —

»Unn wannsde widdersprichst, dann fängt die Uhr aa zu #schlage#!« ergänzte Bindegerst.

Adolf wischte sich mit der Hand über die Augen. »Wann ich nor wisse dhät, ob se mich iwwerhaapts noch lieb hat? Guckstde, Vadder, des frißt an merr unn läßt merr kaa Ruh! Ich dhät merr ja gern alles gefalle lasse, — was zwische meine vier Wänd vorgeht, des guckt ja Niemand —. Maantswege kratzt se merr die Aage aus, awwer #aus Lieb# muß se kratze! Ach Vadder, manchmal, da is merrsch grad, als ob se mich #hasse# dhät, als ob se mich net ausstehn könnt, als ob ich'r zuwidder wär wie Rizinusöl, unn des mecht mich noch ganz krank!«

Er schwieg verzweifelt. Der Alte legte die Pfeife weg, nahm die Flasche unter dem Tisch hervor und stärkte sich durch einen langen Schluck zu der Beruhigungsrede, die er jetzt angemessen hielt.

»Du nemmst's zu schwer!« tröstete er. »Iwwer die Weiwer soll merr iwwerhaapts net so viel nachdenke! Wie se sin, so sin se, — ich habb se net geschaffe, ich wasch mei Pote in Unschuld. Unn's Kättche, no, wo se doch jedz in dem Zustand is …«

»Was for e Zustand?« frug Adolf Borges mißtrauisch.

Bindegerst feixte verschmitzt. »Awwer verstell Dich doch net, Adolf! Des mußtde doch längst gemerkt hawwe!«