Und der Herr Schröder sagte: »E Bub? Mei' Hochachtung! Dichtige Leut hawwe merr im Geschäft! No, Se wern jetz allerlei Ausgawe hawwe, — vom nächste Erschte ab kriehe Se fuffzeh Mark mehr!«

Und bald ging Alles wieder seinen gewohnten Gang.

Katharina war schon nach wenigen Tagen wieder aufgestanden. Ihr Wesen blieb zänkisch und bösartig, ihre Streitsucht nahm eher zu als ab. Sie bewies dem Kinde keine Zärtlichkeit, sie betrachtete seine Anwesenheit einfach als eine Vermehrung ihres Arbeitspensums, das sie mit mürrischer Selbstverständlichkeit erledigte. Sie vernachlässigte das kleine Gustavchen ebensowenig wie sie je ihren Haushalt vernachlässigt hatte, sie erfüllte ihre Pflicht, — aber wer auf dieser Welt nur seine #Pflicht# tut, tut zu wenig.

Pflicht ist ein häßliches Wort, ein Wort des Zwanges, und erst wenn dieser Begriff aus dem Denkvermögen der Menschen geschwunden sein wird und #dennoch# jedermann »seine Pflicht tut«, werden wir uns rühmen dürfen, Kultur zu besitzen.

Adolf empfand tiefschmerzlich die Lieblosigkeit der Mutter. Für alle seine glücklich-neckenden Fragen, ob der Kleine ihm oder ihr ähnlicher sähe, ob er diesen und jenen Zug von den Borges oder von den Bindegersts geerbt habe, hatte sie nur ein frostiges Achselzucken. Er aber war hemmungslos vernarrt in den Säugling, der nur das Mäulchen zu einem Lachen zu verziehen brauchte, um seinen Vater in einen Taumel des Entzückens zu versetzen.

Täglich entdeckte er neue Eigenschaften an ihm, ausnahmslos Tugenden und Anzeichen ungewöhnlicher Gescheitheit, über die er zu seinem Kummer nur mit dem #Großvater# plaudern konnte, denn Katharina hatte sich ein für allemal dieses »dumme Geschwätz« verbeten.

Den Großvater aber konnte der kleine Gustav nicht leiden. Näherte er sich nur dem Bettchen, so fing er an zu schreien, als stünde die schlimmste Mißhandlung bevor. Weder Adolf noch Bindegerst konnten sich dieses seltsame Verhalten erklären, und doch war die Lösung des Rätsels so naheliegend: das Büblein konnte einfach den Schnapsgeruch des Alten nicht ertragen.

Schrie der Kleine des Nachts, so geriet Adolf in die höchste Aufregung. Er verstand nicht, daß Katharina das Plärren Gustavchens kaum beachtete, und er zweifelte in solchen Augenblicken ernstlich daran, daß Katharina überhaupt Gefühl besäße.

»Heerstde's net?« bat er eines Nachts. »Mach doch 's Licht aa unn gebb 'm die Brust!«

»Gebb Du se'm!« brummte Käthchen.