»Se sollte mich dodschlage unn ausstoppe unn als Modellfigur ins Schaufenster stelle,« dachte er. »Dann dhät ich all die neue Kleider trage, viel scheenere Kleider, als wie ich in meim ganze Lewe getrage habb. Unn ich dhät e recht liewenswerdig Gesicht mache unn dhät als e bissi mit de Aage zwinkere, daß recht viel Kundschaft ereikäm unn kaafe dhät, dann der Herr Schröder is immer aastännig zu merr gewese. Nor wann der eklig Kassierer vorbeikäm, dhät ich die Zung erausstrecke. Unn vielleicht käm aach als des Kättche voriwwer unn dhät dem Prinz odder Korferscht, wo se dann geheierat hätt, des Schaufenster zeige: »Guck, des is mei erschter Mann!« Unn vielleicht dhät se'm aach sage: »Ich unglicklich Fraa! Auslaafer hätt ich hawwe könne, unn en Korferscht muß ich kriehe!«

Er lächelte vor sich hin. Ein Lächeln, in dem viel Mitleid mit sich selbst lag.

Sein Eheleben war ein unheilbar Kranker, das sah er nun selbst ein. Weder mit Gewalt, wie es Petruchio in dem Theaterstück fertig gebracht hatte, noch mit Güte war eine Widerspenstige wie Katharina zu zähmen.

»Merr secht, daß aus der ehelich Lieb mit de Jahrn die still Freundschaft erausschluppt wie e Hinkelche aus'm Ei, — awwer mei Eh' is e Windei. Da schluppt kaa Freundschaft eraus unn kaa Kameradschaft, unn wann ich noch hunnert Jahr druff erumbrüt'! Des Ei, des hat der Deiwel gelegt.«

Äußerlich freilich war seine Ehe seit einiger Zeit geruhiger geworden.
Katharina machte ihm kaum mehr Szenen, sie schien es nicht mehr der Mühe
wert zu halten. Sie behandelte ihn jetzt mit einem verächtlichen
Lächeln, sie benahm sich ihm gegenüber etwa wie ein Lehrer, der einen
Schüler endgültig aufgegeben hat. »Wozu sich noch über solch einen
Menschen ärgern? Da ist ja doch Hopfen und Malz verloren.«

Adolf bekam pünktlich sein Essen, sein Zimmer wurde aufgeräumt, seine Wäsche wurde gewaschen und geflickt, — mehr hatte er nicht zu beanspruchen.

Um so eifriger beschäftigte sich Katharina nun mit sich selbst. In ihr war offenbar endlich die weibliche Putzsucht erwacht; sie, die bisher stets im Aufzug einer Aufwaschfrau im Hause herumgetobt hatte, begann plötzlich Wert auf proppere Kleidung und eine ordentliche Frisur zu legen. Sie abonnierte eine billige Modenzeitung, schneiderte sich nette Blusen, ja sie fing sogar an, ihre Fingernägel zu pflegen. Sie wurde eine gute Kundin des blondgelockten Herrn Hippenstiel.

Das Glanzstück ihrer Ausstattung war ein greller, knalligbunter
Sonnenschirm, der jedem Negerhäuptling zur Zier gereicht hätte. In der
Wüste hätte der Sonnenschirm sicherlich sehr dekorativ gewirkt, — in
Offenbach blieben die Leute stehen, wenn Käthchen das Monstrum
spazierentrug, und dachten: »Da muß e Farwe-Fabrik explodiert sei'!«

Katharina aber hatte sich von je wenig um die Meinung anderer
Sterblicher gekümmert; sie fand den Schirm wundervoll, und sie machte es
den Kritikern gegenüber wie der Esel in der Fabel, der behauptete, die
Nachtigall beneide ihn um seine schöne Stimme.

Adolf hatte anfangs die Änderung in Katharinas Kleidung mit freudiger Hoffnung gesehen. »Se will mich an sich locke!« sagte er sich. »Se will merr widder gefalle.«