»Ich wer's #aach# emal mit'm Schnaps browiern!« nahm sich Adolf vor.

Aber er brachte es nicht übers Herz. Ihn ekelte davor. »In meim Alter lernt merr nix mehr dazu«, sagte er sich resigniert. »Net emal mehr e Laster! Dreißig Jahr frieher hätt ich 's Saufe aafange solle, dann wär vielleicht e glicklicher Mensch aus merr worn!«

Und er sann: »Weshalb dhut's Kättche drinke? Hat se'n Schmerz zu bedäuwe? Is se unglicklich? Unn #wann# se unglicklich is, wer annerschter kann draa schuld sei' wie #ich#? — Awwer ich dhu err doch nix zu leid? Ich redd err doch in nix erei, ich gebb err doch Alles, was ich verdien, unn habb noch nie e Abrechnung verlangt? Awwer vielleicht is des grad der #Fehler#? Vielleicht faßt se des als Gleichgiltigkeit uff?«

Er spann diesen Gedankenfaden weiter, und die Frage überfiel ihn: »Lieb ich se eigentlich noch?«

Ach, das war eine schmerzliche Frage, — viel, viel peinigender als die Frage, die er sich ehemals vorgelegt hatte: »Hat se #mich# eigentlich noch e bissi lieb?«

Liebte er Katharina noch? Wenn er sie nicht mehr liebte, dann lastete ja alle Schuld des Unglücks auf #ihm#, dann war #er# es ja, der die Ehe entweiht hatte, dann hatte er sie durch ein Gelübde an sich gelockt, das zu halten er nicht imstande war.

Und der arme Adolf Borges, dessen ganzes Wesen lichte Güte war, zermürbte sich in Selbstquälerei: kannst Du überhaupt lieben? So lieben, daß es nicht nur Dich, sondern auch den Gegenstand Deiner Liebe beseligt?

Oder war seine Liebe nur ein süßer Eigennutz? Zuckerzeug der Seele, das man behaglich lutscht, sich einen Genuß zu verschaffen?

»Hätt' ich's iwwer 's Herz gebracht, in die Dachstubb zu ziehe, wann ich se werklich noch lieb hätt'? Hätt' ich des in de erschte Jahrn von unserer Eh' gekönnt? Da haww ich doch net eischlafe könne, wenn ich se net newe merr gefiehlt habb!«

Aber ihm kamen selbst Zweifel, ob dies ein Prüfstein der Zuneigung sei.