Und auch da schien man ihn einmal zu vergessen. Denn der eklige Kassierer, der jedem Angestellten am Monatsschluß das Gehalt in verschlossenem Briefumschlag aushändigte, überging ihn. Verdutzt wartete Adolf, bis es Zeit für ihn war, die Pakete zur Post zu bringen, dann klopfte er an die angelehnte Türe des Privatkontors.

»No, Adolf, was is dann?« frug väterlich der dicke Herr Schröder.

»Ich habb kaan Lohn krieht, Herr Schröder. Ich bin vergesse worn.«

Herr Schröder sah ihn erstaunt an. »Awwer Adolf,« sagte er vorwurfsvoll, »Se hawwe'n doch schonn längst! Ihne Ihr Fraa hat'n doch vor acht Dag perseenlich abgeholt. Unn hat sich aach noch Vorschuß gewwe lasse uff's nächste Mal! Wisse Se dann des net?«

»Doch!« stotterte Adolf. »Nadierlich!… Entschuldige Se bloß… mei
Kobb… mei Gedächtnis läßt mich als im Stich…«

Er lief schnell hinaus. Er fürchtete, man könne ihm seine Bestürzung, sein Entsetzen ansehen. Die Kunst der Verstellung hatte er nie beherrscht.

Als Adolf an diesem Abend das Postgebäude verließ, trat Herr Heinrich
Baldrian, der offenbar auf ihn gewartet hatte, auf ihn zu.

»Gu'n Abend, Adolf«, redete er ihn an. »Wollen wir nicht 'n Stückchen zusammengehen?«

»Wann Se sich net scheniern, mit so'me schäwige arme Deiwel zu laafe«, erwiderte Adolf bitter.

»Reden Se kein' Unsinn!« sprach Herr Baldrian. »Wir können aber auch 'n
Glas Bier zusammen trinken, wenn Ihnen das lieber ist?«