Und da auch Dr. Heßberg keine Einwendung dagegen hatte, so brachte ich schon zum nächsten Besuche Bleistift und Papier mit, und Mister Galgenstrick begann zu diktieren.
Hier ist die Geschichte seiner Erlebnisse.
Ich schrieb sie nieder, wie er sie erzählte, und ich enthalte mich jeden Kommentars.
Möge sie für sich selbst sprechen.
Ich bin geboren in Bombay, bin der dritte Sohn meines Vaters und heiße Maharabatigolamatana.
Weil aber dieser Name meinem Vater zu lang war und auf die Dauer zu einsilbig schien, kürzte er ihn ab und rief mich »Galgenstrick«.
Ich bin Hindu, und unsere Familie gehört der Kriegerkaste an. Mein Vater war denn auch ein sehr tapferer Mann und lag in beständigem Krieg mit den englischen Wächtern; die Engländer nämlich sind ein merkwürdiges Volk: sie selbst stecken mein ganzes Vaterland ein, sie wollen aber nicht erlauben, daß ein armer Hindu nur eine einzige fremde goldene Uhr einsteckt, und so kam es öfter zu lebhaften Meinungsverschiedenheiten zwischen meinem Vater und England.
Bei solchen Meinungsverschiedenheiten pflegte mein Vater sehr heftig schreiend aufzutreten, weil man ihm den Rücken mit einer Peitsche bearbeitete, wobei meist der Rücken, seltener die Peitsche entzweiging. Die dummen Engländer glaubten, durch dieses Peitschen meinen Vater zu entehren, — als ob ein Nichthindu überhaupt einen Hindu entehren könnte. Es ist dies ein Pröbchen des Größenwahnes der Weißen, dieser unreinen Menschenrasse, die glaubt, weil sie uns Steuern abnimmt, sei sie uns ebenbürtig. Sie wissen nicht, daß ein Hindu lieber Hungers stürbe als mit einem Weißen an einem Tisch äße, und daß uns eine Speise schon als unrein und ungenießbar gilt, wenn nur der Schatten eines Weißen auf sie fiel.
Wollte ich alle die Kriegstaten meines Vaters aufzählen, so würde es ein Buch werden, länger als meines Vaters Strafliste.