Ich erfuhr es, als ihr mich mit euren derben, guten Händen in den Eisenbahnwagen trugt, der mich in diese Stadt brachte.
Und wenn ihr auch nur Weiße seid, voll von törichten Vorurteilen wie alle Nicht-Hindus, und mich mit euren Arzneien heilen wollt, statt mit heiligem Kuhmist — ich hasse euch nicht und bete zu Schiwa um euren Sieg!
Mister Galgenstrick machte eine lange Pause.
Ich betrachtete ihn ergriffen. Denn so gleichgültig uns auch das Lob eines Hindus sein kann, mich erwärmte doch die naive Bewunderung dieses Naturkindes, das durch alle seine verschrobenen Vorstellungen hindurch die Reinheit deutschen Wesens ahnte.
Plötzlich nahm Galgenstrick meinen Arm, zog mich zu sich nieder und flüsterte mir ein Geheimnis ins Ohr: »Ich glaube nicht, daß die Götter mir das Leben lassen. Wenn sie es mir aber gnädig vergönnen, in diesem Leibe weiter zu wohnen, so will ich von neuem kämpfen! Aber nicht mit euren Feinden gegen euch — sondern mit euch gegen die Engländer! Versprich mir, daß du mir dazu verhelfen wirst!«
Ich hätte ihm sagen können, daß wir Deutschen keine wilden Völkerstämme in unsere Reihen aufnehmen, daß wir diese »Kulturerrungenschaft« neidlos unseren Gegnern überlassen — aber ich wollte den Kranken nicht durch Widerspruch erregen.
So machte ich eine Geste, die er sich nach Belieben als Bejahung oder Verneinung auslegen mochte.
Er lächelte befriedigt und ich schied von ihm mit dem Bewußtsein, ihm eine belebende Hoffnung hinterlassen zu haben, die seine Genesung beschleunigen würde.
Zwei Tage blieb ich dem Lazarett ferne, beschäftigt mit der Überarbeitung von Galgenstricks Erzählungen.