Der Sanitätsdackel

Der Held dieser Geschichte ist ein Privatier. Keiner von den Privatiers, die in einem Automobil elegant durch die Straßen fahren und jeden neuentdeckten unechten Raffael kaufen — o nein, ein solcher Privatier ist unser Held nicht.

Für die Automobile hat er gar nichts übrig — »mir war's genügend! Hört's mir auf mit dö Stinkdroschken, dö elendigen!« — und Gemälde interessierten ihn erst recht nicht. Nicht als ob er keines besessen hätte! Gewiß besaß er eines und das hatte er sogar eigenhändig dem Maler weggenommen, weil der Haderlump die Miete nicht bezahlen wollte.

»Wie hieß er doch gleich, der Maler? Mit »F« fing er an — wart's amal an Moment, wie hoaßt er do' glei'? — na, also halt so ein norddeutscher Kunstmaler.

Ein schönes Bildl war's, lauter echte Ölfarbe, und ein nacketes Fräulein stellte es dar. Sauber, sag i Eahna, sauber! Ja, mei Liaber, auf die nacketen Weibsbilder, da verstehen sich die Herren Kunstmaler besser als wie auf's Mietzins-Zahlen.«

Da es mir schon herausgerutscht ist, daß unser Held und Privatier Hausbesitzer ist, so will ich auch gleich sagen, wo sein Haus steht. In Schwabing. Eines von den modernen, solid gebauten Häusern: wenn einer im Parterre niest, wackeln im vierten Stock die Kronleuchter. Und wenn du einen Nagel in die Wand schlägst, kannst du das ganze Zimmer neu streichen lassen. Aber dafür ist ein Lift vorhanden, mit dem man fahren kann, wenn er nicht gerade in Reparatur ist. Er ist aber immer in Reparatur.

Halt, daß ich die Zentralheizung nicht vergesse! Das ist was Praktisches, so eine Zentralheizung: wenn du's recht gemütlich kalt haben willst, brauchst du nur den Hebel auf »Warm« zu stellen.

Dies ist also das Haus des Herrn Privatier Joseph (sprich Pepi) Bröselmeier, und mit Recht steht im Münchner Adreßbuch hinter seinem Namen das stolze Wort »Realitätenbesitzer«.

Pepi Bröselmeier ist ein vielbeneideter Mann.