Im Schweiße seines Angesichtes hat er sich durchs Leben geerbt. Als er zwanzig Jahre alt war, starb sein Vater — da hörte er auf zu arbeiten. Gerad' als er anfangen wollte! Als er das sechsundzwanzigste Jahr erreicht hatte, starb seine Mutter — da hörte er auf, seine Mitmenschen zu grüßen. Und als er in das dreiunddreißigste Jahr hineinschwebte, starb seine Tante Mali — da hörte er auf zu denken.

Die gute Tante Mali! Achtzigtausend Mark hat sie ihm hinterlassen, die alte Bisgurn, die schiache! Daß mir keiner ein schlechtes Wort über sie sagt!

Seitdem füllte Pepi Bröselmeier seine Zeit damit aus, für seine Gewichtszunahme zu sorgen und seine Mieter zu schikanieren. Auf zweiundfünfzig Lebensjahre und einen Meter siebzig Taillenweite hat er's schon gebracht.

Und kein Mensch auf Gottes schönem Erdboden imponierte ihm. Von keinem weiblichen Engel hatte er sich unterjochen lassen — »Heiraten? Daß i net rutsch'!« — höchstens zwickte er einmal väterlich eine Kellnerin dorthin, wo die Münchner Kellnerinnen vor Erfindung der Brotkarte einen Beutel voll »Hausbrot« und »Semmeln hab i net« zu tragen pflegten.

Aber doch gab es ein Wesen, dem Pepi Bröselmeier bedingungslos untertan war, und das war »Bim«, sein Dackel.

»Dackel« ist eigentlich zu viel gesagt. Man nennt die Rasse richtiger und wohltönender »Promenadenmischung«. Die Füße waren ja soweit ganz echt — wenn's nur nicht gerade hätt' ein Dackel sein sollen. Wäre »Bim« der Hund eines literarisch gebildeten Menschen gewesen, so hätte er vielleicht in lyrischen Stunden vor sich hin gebellt:

Vom Mopserl hab' ich die Statur,
Vom Fox das Kokettieren,
Vom Dackerl nur die Frechnatur
Und Lust, nie zu parieren.

Ja, in Bims Stammbaum müssen schreckliche Eheirrungen vorgekommen sein! Überhaupt schon der Name Bim! Ein echter Dackel heißt nach uralter Münchner Tradition entweder »Waldl« oder »Maxl«. Aber Bim ...!

Kam Pepi Bröselmeier zum Frühschoppen in den »Franziskaner«, so sagte die Kellnerin: »Oh, dös liabe Viech! Da geh her, goldig's Mopserl!«

Kam er zum Mittagessen in's »Bürgerbräu«, so sagte die Kellnerin: »Und an extraschönen Knoch'n hab' i aa reserviert, für Eahneren Foxl!«