Ich weiß nicht, ob Ihr Jim Boughsleigh kennt? Wenn Ihr ihn nicht kennt, habt Ihr jedenfalls nicht viel verloren. Er ist ein langgeschossener dürrer Mensch mit einer Nase, die an Wochentagen sanft rosa, Sonntags aber ins Bläuliche schillert. Wie er mir erzählte, ist er in Southampton geboren worden, verlebte aber viele Jahre in einem Städtchen namens Arbeitshaus und trat schließlich in die Kolonialarmee ein, weil sich seine langen Beine so gut zum Laufen eignen.
Als ich Jim Boughsleigh kennen lernte, befand er sich gerade in heiligem Zustand. Er lag auf der Straße, streckte alle viere von sich und gab auf keine Frage Antwort. Seine Seele weilte auf Urlaub im Paradies.
Ich habe ihn später noch öfter in diesem heiligen Zustand angetroffen, und ich habe beobachtet, daß er dabei stets eine leere Flasche bei sich hatte, auf der »Whiskey« stand. Einmal war noch ein wenig heiliges Wasser in dieser Flasche, ich zog sie ihm aus der Tasche, setzte sie an den Mund, trank — und warf die Flasche entsetzt fort, denn es saß ein brennender Dämon darin.
Von dem Klirren der Flasche erwachte Jim Boughsleigh, ächzte und sprach die heiligen Worte: »Mich is schlecht! Very hundsmiserabel is mich!«
Späterhin, als wir uns etwas angefreundet hatten, wollte Jim Boughsleigh auch mir von seinem heiligen Wasser zu trinken geben. Aber ich lehnte ab, weil in den Vorschriften unserer Religion kein Gebot enthalten ist, Dämone zu trinken. Und weil ich der Ansicht bin, daß der Genuß des Wassers vom heiligen Strom in Benares, obwohl Pestkranke darin baden und Tierleichen darin schwimmen, lange nicht so viel Schaden auf der Welt anrichtet als der Genuß des heiligen Whiskeywassers.
Jim Boughsleigh war ein Narr wie alle Europäer. Befand er sich in unheiligem, nüchternem Zustand, so fand er nicht genug Worte des Lobes für seinen Stand und seinen Herrscher. Er blähte sich auf wie ein Kalkuttahahn und krähte:
»Ich bin ein Soldat Seiner Majestät des Königs von England, des Kaisers von Indien! God save the King!«
»Ist dein König sehr mächtig?« frug ich ihn.
»Der mächtigste König der Welt! Von Rechts wegen sollte ihm die ganze Erde gehören!«
»Wieviel Frauen hat er denn?« erkundigte ich mich weiter.