Die Europäer begreifen das nicht, sie verbringen ihr ganzes Leben in Furcht und Sorge, in Angst und Selbstquälerei, sie scheuen den Tod, statt sich auf die Sterbestunde zu freuen, die sie von einem solchen selbstverpfuschten Leben erlöst.

Das Schlimmste aber ist, daß diese weißen Menschen sich unterfangen, mit ihren niedrigen Anschauungen unser abgeklärtes Leben zu stören. Nicht nur daß sie uns die Witwenverbrennungen und das Ertränken der neugeborenen Mädchen verbieten, sie suchen auch bei Pestepidemien durch allerhand Vorschriften, die sie »sanitäre Maßregeln« nennen, den Gang des Schicksals zu ändern. Ein ebenso vergebliches wie fluchwürdiges Unternehmen.

Sie verbieten uns in solchen Jahren, von dem Wasser des heiligen Stromes zu trinken, — weil Aussätzige darin baden, und weil wir die Kadaver der heiligen Tiere in diesen Strom zu werfen pflegen.

Sie glauben eben nicht an das Schicksal, nicht an die Macht Schiwas, sondern nur an die Macht des Goldes, und deshalb ist es ein gutes Werk, ihnen das Gold wegzunehmen.

Ich aber füge mich nur dem Schicksal. Will es das Schicksal, so habe ich heute satt zu essen, — will es das Schicksal, so hungere ich. Zeitweise verdinge ich mich einem Europäer als Boy. Will es das Schicksal, so gelingen mir meine Betrügereien gegen ihn, und er gibt mir obendrein ein gutes Zeugnis, das ich durch einige eigenhändige Zeilen noch verbessere, — will es das Schicksal anders, so erwischt er mich beim ersten Betrug und verprügelt mich, daß ich nicht mehr weiß, was hinten und vorne ist. Beides ist mir recht.

Finde ich in der Tasche eines Fremden eine Geldbörse, und will es das Schicksal, daß sie wohlgefüllt ist, so behalte ich sie, — will es aber das Schicksal, daß sie leer ist, so trage ich sie zur Wache.

Alle Hindus sind in dieser Verehrung des Schicksals einig, und nur über einen Punkt herrscht zwischen mir und meinen Brüdern eine Meinungsverschiedenheit: Jene behaupten, es sei das höchste Glück der Erde, auf dem Rücken zu liegen und in die Sonne zu blinzeln, ich aber sage, es ist ein noch größeres Glück, dabei auf dem Bauch zu liegen.

Nun, das sind eben verschiedene Weltanschauungen, über die sich nicht streiten läßt.

Solche Gedanken ballten sich hinter meiner Stirne, als ich an jenem denkwürdigen Tage des Abschieds von meinem ehrwürdigen Vater die Straßen hinabeilte, um Malatri, die Brillenschlange, zu holen. Da hemmte ein ungewohnter Aufzug meine Schritte.

Wohl zwanzig junge Europäer, in Reihen zu drei und drei aufgestellt, kamen des Wegs daher, begleitet von einer weinenden Frau und von Jim Boughsleigh, dem Soldaten, der sie mit geladenem Gewehr bewachte.