Das schien mir nun wieder wenig glaublich, denn ich hatte auf dem Bild genau bemerkt, daß Gott Kitchener nur zwei Arme hatte, — und bei uns haben die einfachsten Götter ihre sechs bis acht Arme.

»Wozu braucht er mich denn?« tastete ich vorsichtig.

»Um die verfluchten Deutschen zu vertilgen! Sei nicht dumm, Hindu, und komm' mit! So gut, wie du's bei den Soldaten hast, kannst du's nirgends haben: fast keine Arbeit, — die Vorgesetzten tragen dich auf Händen und lesen dir jeden Wunsch von den Augen ab, — und Geld kriegst du jede Woche einen Haufen!«

Jim Boughsleigh verdrehte die Augen wie ein Händler, der einem dummen Reisenden ein aus Europa frisch importiertes Tonfigürchen als echte altindische Götterstatue anpreist. Er redete so eindringlich auf mich ein, daß mich Ekel vor ihm ergriff.

Was hatte er nur? Daß mich die Europäer auf Händen tragen würden, das glaubte er wohl selbst nicht. Und daß sie mir viel Geld geben wollten, war verdächtig. Denn viel Geld geben die Engländer nur her, wenn sie etwas Böses wollen.

»Na?« drängte Jim Boughsleigh ungeduldig. »Lieber Freund, wie ist's? Läuft dir das Wasser nicht im Munde zusammen? Fasse dein Glück beim Schopf! Ich rede mit dir wie ein Vater!«

Das konnte mich schwerlich verlocken, denn wenn mein Vater mit mir redete, so nahm er dazu meist einen Riemen in die Hand. Ich versuchte, mit einer neuen Frage auszuweichen: »Sind denn die Engländer nicht stark genug, um die Deutschen allein zu besiegen?«

»Natürlich sind sie stark genug, mein Herzchen! Es ist die reine Großmut von uns, wenn wir euch an dem Ruhm teilnehmen lassen wollen. Habe ich nicht auch meinen Whisky mit dir geteilt? — Pah, die Deutschen! Feige, kraftlose Hunde sind sie —«

»Aber du sagtest doch, sie seien mächtige Dämonen?«

Jim Boughsleigh wurde wild.