Ich hatte unklar gesehen, wie Jim Boughsleigh sein Sündengeld einschob. Möge er an dem Whisky, den er sich dafür kaufte, erstickt sein! Mögen ihn die wilden Hunde gefressen haben!
Dein Gesicht, Herr, sagt mir, daß dir meine Verwünschungen mißfallen. Ich weiß, ihr Weißen sagt, man soll seinen Feinden verzeihen, und ich will gerne glauben, daß ihr eure Kanonen nur zu diesem Zwecke baut. Auch wir Hindus verzeihen unseren Feinden, nur schlagen wir sie gerne vorher tot.
Ich könnte dir nun mit Leichtigkeit vorlügen, daß es mir die erste Zeit in der Kaserne sehr schlimm ergangen sei. Aber ich will niemanden schlechter machen, als er ist. Bei den Engländern habe ich das auch gar nicht nötig.
Nein, es erging mir besser, als ich es erwartet hatte. Man brachte mich mit vielen anderen Hindus in einem großen Hause unter, das einen weiten kahlen Hof einschloß. Des Nachts stand uns ein Zimmer zur Verfügung, in dem ehemals zehn weiße Soldaten gewohnt hatten, und da wir nur zu achtzig darin zu schlafen brauchten, fühlten wir uns ganz wohl, und wenn wir unsere Beine bis an die Schultern hochzogen und den Kopf dazwischen steckten, hatten wir bequem Platz.
Es gefiel mir auch, daß man in diesem Hause nicht, wie es sonst Sitte bei den Weißen ist, die schuldlosen Tiere tötete, sondern die Wanzen und Ratten durften sich nach Herzenslust vermehren.
Anfangs hatte man uns Strohsäcke zum Schlafen gegeben, aber der Hindu schläft nur, in eine Decke gewickelt, auf dem Fußboden. Es ist dies auch praktischer, denn die Strohsäcke muß man von Zeit zu Zeit reinigen, den Fußboden aber nie.
Meine Befürchtung, daß ich mit Mohammedanern oder Weißen in einem Raum weilen müsse, erwies sich als unbegründet. Schmerzlich allerdings war es mir, einem Angehörigen der Kriegerkaste, mit Hindus niedriger Kasten gemeinsam hausen zu müssen, und es dauerte eine Weile, bis ich imstande war, diese Schmach als eine Fügung des Schicksals geduldig zu ertragen.
Das Essen war reichlich und wir durften uns die Tiere von den Brahmanen, die unter uns waren, schlachten lassen, wie überhaupt die Engländer sich so wenig um unsere Religion kümmerten wie um ihre eigene.
Nun, ich will es dahingestellt sein lassen: gaben sie uns so viel zu essen, um unsere Freundschaft zu gewinnen, oder gaben sie es uns in derselben Absicht, in der sie ihre Gänse mästen? Sonst war das Leben nicht ganz so schön, wie es mir Jim Boughsleigh in Aussicht gestellt hatte. Am frühen Morgen trieb man uns in den Hof, stellte uns in Reihen, und dann mußten wir alles machen, was uns der Offizier befahl. Sonst gab es Prügel.