Kaum aber hatte der Gott des Schlafes meine Lider angehaucht, da riß ein gellendes Trompetensignal uns alle empor. Und als wir aufblickten, stand in der Türe unser Offizier mit fünf Soldaten, und sie hielten ihre Revolver bereit.
Wir waren den Anblick von Revolvermündungen zu sehr gewohnt, um unruhig zu werden, und dachten, es sei wieder einmal eine Nachtübung anberaumt. Als wir jedoch unsere Gewehre ergreifen wollten, sahen wir mit Erstaunen, daß sie heimlich weggeräumt worden waren.
Ich mußte doch länger geschlafen haben, als ich geglaubt hatte.
»Antreten im Hofe ohne Waffen!« befahl der Offizier und schnitt ein Flüstern, das sich erheben wollte, durch das Kommando ab: »Ruhe! Kein Wort!!«
Wir alle mußten vor ihm den Raum verlassen, er folgte nebst seinen fünf Soldaten, ohne den Finger vom Revolverhahn zu nehmen, und es war nicht anders, als treibe er eine Herde vor sich her.
Im Hofe aber sah es seltsam aus. Da standen zwei Regimenter englischer Soldaten mit geladenen Gewehren, und sie ließen uns nicht aus den Augen.
Dem einen Regiment gegenüber standen die mohammedanischen Truppen, die im andern Flügel der Kaserne untergebracht gewesen waren. Ihnen fehlten, gleich uns, die Waffen.
Dem zweiten Regiment gegenüber mußten wir uns aufstellen.
Auf großen, mit Pferden bespannten Karren lagen unsere Gewehre.
Kein lautes Wort fiel, selbst die Befehle wurden halbleise erteilt, als gälte es, sie vor unberufenen Lauschern geheimzuhalten.