»Daran haben Sie recht getan, Schwester!«
Übrigens hatte die kalte Luft meinem farbigen Freunde nicht viel geschadet — soweit mein Laienauge es beurteilen konnte.
Er war recht vergnügt, legte bei meinem Eintritt die indischen Bilder, die er stundenlang zu betrachten pflegte, beiseite und begann nach einigen kurzen Begrüßungsworten lebhaft zu erzählen.
Das Meer ist ein heiliges Gewässer, und es übt eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Besonders auf die Speisen, die man im Magen hat.
Laß mich schweigen, Herr, von den ersten Tagen der Seefahrt. Wir glichen weniger einer Truppe, die in den Kampf gegen die Deutschen zieht, als einer Truppe, die aus dem Kampf mit den Deutschen kommt. Und wenn meine Seele jemals in den Leib eines Herings ziehen sollte, so weiß sie nun wenigstens im voraus, wie einem beim Eingepökeltsein zumute ist.
Wir Hindus waren auch zumeist stumm wie die Heringe. Wir sind keine Weißen, die stets das Bedürfnis haben, ihr »Herz« auszuschütten — wobei ich immer lebhaft an das Ausschütten einer Kehrichttonne erinnert werde. Und ich glaube, die meisten Europäer besitzen dieses Mitteilungsbedürfnis, nicht weil ihr Herz übervoll, sondern weil ihr Kopf überleer ist.
Du fragst dich, warum ich dir meine Lebensgeschichte erzähle, da ich das Stummsein so lobpreise?
Siehe, das ist eben der Unterschied: ihr werdet wortkarg, wenn ihr krank seid, ich werde auf dem Krankenlager gesprächig. Ihr haltet das Mundhalten für eine Krankheitserscheinung, ich das Schwatzen.
— Die Fahrt schien endlos. Wohl hatte ich schon gehört, daß ferne unserer Heimat die Länder liegen, aus denen die Fremden zu uns kommen und uns ihre Waren schicken, aber nie hätte ich geglaubt, daß diese Länder so weit abseits lägen, daß das Meer so breit sei. Ich zermarterte mir das Gehirn mit der Frage, wozu ist das viele Wasser da, und ich kam zu der Lösung: die Götter haben es in ihrer Weisheit ausgeschüttet, damit ihr Weißen nicht so leicht und gefahrlos zu uns herüberkommen könnt. Das Meer ist der Stacheldraht des farbigen Mannes.