Wenn ein Offizier zu uns Eingepökelten hinabstieg, fragten wir ihn nach dem Reiseziel. Der eine Offizier nannte »Ägypten«, der zweite »Frankreich«, der dritte »Belgien«, der vierte »Deutschland«.
Ich sage: »wenn er zu uns hinabstieg«, denn wir Hindus durften nicht an Deck. Wir wurden verschickt wie eine Ware, und ich weiß nicht: berechneten uns die Engländer nach der Kopfzahl oder nach dem Pfund Lebendgewicht?
Wir lagen im untersten Schiffsraum und ein Stockwerk über uns hausten die Mohammedaner. Eine Treppe verband uns. Manchmal kamen Mohammedaner zu uns herab und erzählten uns Neuigkeiten. Die Engländer sahen dies nicht gerne.
»Woher weißt du diese Neuigkeiten?« stellte ich einmal einen Bekenner Allahs zur Rede, der mir mitgeteilt hatte, die Russen hätten die siebzehn Töchter des Deutschen Kaisers gefangengenommen. »Woher weißt du es, da wir mitten auf dem Meere sind? Haben es dir die Möwen zugetragen? Liest du es aus den Zickzackbewegungen der Fische?«
Er hielt mir darauf eine große Rede über ein Ding, das er »drahtlose Telegraphie« nannte und das ein Engländer namens Marconi erfunden habe. Ich ließ den dummen Schwätzer stehen.
Ich weiß, daß ihr Weißen viele Geheimnisse erforscht habt: Ihr habt ein Glasinstrument, das ihr »Thermometer« nennt und mit dem ihr das Wetter macht; ihr habt ein Blechrohr, in das ihr eure Musik eingesperrt habt und aus dem ihr sie herauslaßt, wenn andere Menschen schlafen wollen; und obwohl dieses Blechrohr, das ihr »Grammophon« nennt, keine Nase hat, singt es doch durch die Nase; ihr seid pfiffig und stehlt der Natur gewandter ihre Geheimnisse als ich euch die Taschenuhren, — aber solchen Unsinn wie »drahtlose Telegraphie« dürft ihr einem Hindu nicht vorschwatzen!
Nein, ich glaube nicht an solche Taschenspielerkünste und ich bin überzeugt, die sogenannten drahtlosen Kriegsberichte der Engländer entstehen auf eine ganz andere Weise, nämlich indem sie einfach fern vom Schlachtfeld erfunden werden.
Und das haben mir später meine Erfahrungen auch bestätigt.
Am dritten Tage der Seefahrt gab es einen großen Tumult auf dem Schiff.
Es war um die Mittagszeit, das Meer lag leise atmend wie ein schlafendes Mädchen und schien sich selbst im Schlummer unbewußt zu schämen, daß wir es durch die Fensterluken beobachteten.