Man konnte es im hellen Tageslicht deutlich beobachten.
Da begannen die Maschinen unseres Schiffes laut aufzustöhnen, wir wurden von einem Ruck durcheinandergeworfen, und ein Wettrennen auf Leben und Tod begann zwischen den beiden Dampfern.
Und ich sprach zu mir: »Wie es das Schicksal will, wird es geschehen. Will es das Schicksal, so bleibe ich am Leben, will es das Schicksal, so ertrinke ich. Mir ist beides recht. Wohl ist es betrüblich, daß ich nicht, wie meine Vorfahren, am Galgen sterben soll, daß ich die Tradition unterbreche. Und ich wollte, ich hätte erst das hilflose Ermatten überstanden, bei dem mir das Wasser in den Mund und Nase dringen wird, bis sich die Wellen gurgelnd über mir schließen! Möge das Schicksal meinen Todeskampf abkürzen!«
Und wie ich, dachten wohl alle, alle, die an Bord waren. Ausgenommen vielleicht die Engländer, die die Rettungsboote in ihrer Nähe hatten.
Ich ließ mein Leben an mir vorübergleiten und fragte: »Was hast du mir bisher geschenkt? Viele Prügel und manche hungrige Nacht, aber auch manchen wohlgelungenen Beutezug. Du hast mir manches böse Wesen in den Weg geführt, wie Jim Boughsleigh, aber auch manches gute Wesen, wie Malatri, die Brillenschlange. Ich bin so gut und so schlecht gewesen, wie es mir meine Vermögensverhältnisse erlaubten. Wenn ich einen ungekannten Feind hinterlasse, so tut es mir leid, daß ich sterbe, ohne ihn umgebracht zu haben; wenn ich einen ungekannten Freund hinterlasse, so tut es mir leid, daß ich seine Bekanntschaft nicht gemacht habe. Möge meine Seele in einem besseren Leibe, als es mein gegenwärtiger ist, zu neuem Leben erwachen, — und wenn es nicht in meiner Heimat sein darf, so möge es in einem Lande sein, wo die fremden Brieftaschen gefüllter sind und die Wächter sich eines gesunden Schlafes erfreuen!«
Unser Schiff rannte durch die Wellen mit einer Schnelligkeit, die ich ihm niemals zugetraut hätte. Vor der Fensterluke spritzte der Gischt dicht empor, so daß ich nichts mehr sehen konnte. Und wenn ich nicht gewußt hätte, daß wir an Bord eines tapferen, unbesiegbaren englischen Schiffes wären, würde ich sagen: wir flüchteten.
Jeden Augenblick erwartete ich, jenes explodierende Metallfischlein käme geschwommen und streckte seinen spitzen Eisenkopf durch die Schiffswand. Jeder Atemzug war mir eine Gnadenfrist.
Wann kommst du, Tod?
»Ich glaube, wir fahren langsamer,« sprach ein Hindu neben mir.
Ich merkte auf und nun kam es auch mir so vor. Der Gischt vor dem Lukenfenster spritzte niedriger, das Stampfen der Maschine wurde leiser.