»Wenn er dich kennt, weshalb gab er dann den Brief mir, dem Fremden, und keinem von euch?«

»Schlauköpfchen! Weil kein mohammedanischer Soldat in Bombay auch nur für die Zeitspanne eines Augenblinzelns unbeobachtet blieb! — Wo hast du den Brief?«

»Hier!«

Ich zog ihn aus meinem Gewand, fühlte, ob das Siegel noch unverletzt sei, und reichte ihm das Schreiben.

Er küßte es.

»Ist bei euch unten eine Wache?« lispelte er.

»Nein. Wozu auch?«

»Pst! Leise, mein Freund!«

Er faßte meine Hand und zog mich die Treppe hinab. Dabei quiekte er ein Rattenkonzert von erstaunlicher Naturtreue — die Wache oben rührte sich nicht. Vielleicht war sie eingeschlummert.

Als ich am Eingang zu unserem Raume stand, zögerte ich einen Augenblick. War es nicht sündhaft, einen unreinen Mohammedaner in unser Lager zu führen? — Aber seufzend gestand ich mir, daß ich in den letzten Wochen unter dem Zwange des Krieges so oft hatte gegen unsere Sittengebote verstoßen müssen, daß mir die Götter wohl auch dieses Vergehen noch verzeihen würden.