So traten wir denn auf den Zehenspitzen ein, stiegen über die Schlafenden hinweg, nach einer Fensterluke, durch die der Mond seine neugierigen Strahlen warf.

In dieser Beleuchtung sah ich zum ersten Male den Mohammedaner deutlicher: die vielen Runzeln in seinem Gesichte zeugten von vollbewußt erlittenen, herben Lebensschicksalen. Und nun begriff ich auch, warum er beim Sprechen lispelte und das Pfeifen der Ratte täuschender als ein Hindu nachahmen konnte: er pfiff durch eine breite Zahnlücke.

Ehe er das Schreiben öffnete, sah er mir scharf in die Augen.

Ich verstand sein Mißtrauen, las in seinem Blick die Frage: »Bist du auch nicht von den Engländern bestochen?« und deutete als klarste Antwort auf das Zeichen Schiwas an meiner Stirn.

Er nickte befriedigt und brach das Siegel auf.

Und während er las, weiteten sich seine Augen, Entsetzen verzerrte sein Antlitz, er taumelte, ließ das Blatt sinken, als überstiege es das Fassungsvermögen seines Hirnes, weiter zu lesen.

Ich erschrak und bereute es beinahe, ihm das Schreiben anvertraut zu haben.

Am Ende war es doch kein heiliges Werk, wie mir Abu-Kalib beteuert hatte?

Am Ende hatte ich mich zum Mitwisser, zum Mitschuldigen eines blutigen Frevels gemacht?

Aber ehe ich diese Befürchtungen weiter denken konnte, fesselte mich wieder des Mohammedaners seltsames Benehmen.