Er sprach davon, daß die Engländer die väterlichen Freunde der Mohammedaner seien, und wie schändlich es sei, solche väterliche Liebe durch Meuterei zu lohnen. Davon, daß die Engländer gleichzeitig dem Sultan sein Land nehmen und es mit ihren Spießgesellen teilen wollten, sprach er nicht.

Er sprach davon, daß die Engländer blutenden Herzens die Mohammedaner für den gebrochenen Soldateneid strafen müßten, denn England sei der berufene Schützer des Rechts auf dieser Welt. Davon, daß sie, wie ich später hörte, verbündet sind mit den Meuchelmördern von Serbien und dem ehrenwortbrüchigen Zaren von Rußland, sprach er nicht.

Es war eine lange Rede und sie enthielt fast mehr Lügen als Worte. Wir hörten sie an, wie man eben eine Rede anhört, wenn einem geladene Gewehre nach der Brust schielen, und beneideten die Möwen, die davonfliegen konnten.

Dann begann das Strafgericht. Die Engländer zählten aus den Reihen der Mohammedaner jeden zehnten Mann aus, zwangen ihn vor die Front zu treten und banden ihm die Hände auf den Rücken.

Auch den Alten, dem ich das Schreiben Abu-Kalibs ausgehändigt hatte, traf das Los. Wir suchten uns mit den Blicken, und wenn er die Augensprache verstand, las er von meinem Antlitz Worte, die — hätten die Engländer sie vernommen — unsere Familientradition wieder zu Ehren gebracht und mich am Galgen baumeln gemacht hätten.

Der Alte hob, als die Reihe an ihn kam, feierlich seine Hände den Stricken entgegen, und es sah beinahe aus, als segne er die Ketten, ehe sie ihn fesselten. Sie banden ihn so fest, daß sein Rücken noch gekrümmter war als sonst.

Und obgleich ich nicht gerne einen Menschen lobe, außer mich selbst, muß ich sagen: dieses greisenhafte Männchen ging dem Tode mit einem Gleichmut entgegen, der jedem Hindu zur Ehre gereicht hätte.

Möge seine Seele sich auf ihren weiteren Wanderungen so weit vervollkommnen, daß die Götter sie in einigen Jahrtausenden würdig finden, in dem Leib eines Hindus, und sei es auch nur der untersten Kaste, zu wohnen.

Die Gefesselten wurden weggeführt, und uns trieb man wieder in unseren Stall zurück.

Kaum waren wir unten, da erschienen die Engländer bei uns, um unsere Habseligkeiten zu durchstöbern. Ja, wir mußten uns sogar nackt vor ihnen ausziehen, damit sie erführen, ob wir nichts Verdächtiges unter unseren Kleidern verborgen trügen.