Da der Lärm über uns und auf der Treppe kein Ende nehmen wollte, so beschloß ich, mich persönlich von dem Stand der Dinge zu überzeugen. Vielleicht siegten die Mohammedaner und wir konnten aus der fremden Tapferkeit Nutzen ziehen?
Du siehst, ich fühlte schon ganz englisch.
Ich öffnete also die Türe — prallte aber sogleich zurück. Zwei englische Soldaten hielten mit gezücktem Revolver Wache vor der Tür. Dieser Posten stand fortan bei Tag und bei Nacht vor unserem Raum und hinderte jeden Verkehr zwischen uns und den Mohammedanern.
Seit der Meuterei der Mohammedaner glich das Schiff einem schwimmenden Zuchthaus.
Nur ein einziges Mal durften wir Hindus an Deck und das war am Tage nach jener Revolte. Unsere Offiziere ließen uns in Reihen von zwei und zwei antreten und trieben uns die Treppe hinauf.
Oben standen wieder die bewaffneten Engländer uns Unbewaffneten gegenüber — ganz wie damals auf dem Kasernenhof, als man uns zur »Nachtübung« auf das Schiff gebracht hatte.
Wie lange hatte ich den Himmel nicht mehr gesehen! Und wie hatte er sich verändert! Es war nicht mehr der liebe blaue Himmel Indiens, der luftige Wohnsitz der Götter, nicht mehr der süße Himmel, der wie der durchsichtige, zarte Schleier vor einem klugen Frauenantlitz ist — nein, es war ein schmutziges Tuch, das sich ein altes Weib vor das verrunzelte Gesicht gebunden hatte, ein trüber, dunstiger, mißgelaunter Himmel.
Ein Himmel, der nicht hören und nicht sehen wollte, was nun geschah.
Denn nun trat ein Offizier vor und hielt eine jener Reden, in denen die Engländer Meister sind. Kein Volk der Erde versteht es so vortrefflich, gleichzeitig zu sündigen und sich moralisch zu entrüsten. Es gleicht einer Hure, die über den Kuß eines reinen Mädchens Zeter schreit. Einem bestochenen Richter, der einen hungrigen Brotdieb zum Pranger verurteilt. Und wenn die Engländer jemals der Göttin der Wahrheit einen Tempel bauen, so müßten sie ihr Standbild auf den Kopf stellen und ihr eine Schnapsflasche in die Hand geben.
Der Offizier sprach davon, daß die Mohammedaner den heiligen Eid, den sie dem König geleistet hätten, schmählich gebrochen hätten. Davon, daß ihnen dieser Eid unter lügnerischen Vorspiegelungen erpreßt worden war, sprach er nicht.