Wirrer und aufgeregter dünkte mich am nächsten Morgen der Widerhall der Schritte uns zu Häupten. Vielleicht aber kam es mir auch nur so vor, da ich bisher nie so aufmerksam auf dieses Geräusch geachtet hatte.

In der Nacht aber erhob sich über uns ein drohendes Gemurmel, schwoll zu gärenden Rufen, Schreie kreischten und bald war es, als ob ein Rudel wilder Hunde losgelassen sei.

Wir wachgewordenen Hindus sahen einander verwundert an und ein Brahmane sagte:

»Ein Narr, wer sich gegen das Schicksal auflehnt!«

Ich unterschied in dem Lärm, wie Holz zerbrochen wurde, wie Glas klirrte, und mein Eindruck war: die da oben demolieren ihr Gefängnis.

Und nun trampelten Schritte auf der Treppe — die Mohammedaner drängten unter wildem Heulen nach dem Verdeck — Schüsse fielen.

Ein Handgemenge schien zu toben.

Einen Augenblick dachte ich daran, meine Brüder zu entflammen, den Mohammedanern zu Hilfe zu kommen. Aber ich besann mich rechtzeitig, daß die Bekenner Allahs mir ebenso fremd und unrein gelten wie die Weißen. Mögen die Götter sie beide vernichten!

Was hätten auch wir Unbewaffneten gegen die wohlgerüsteten Engländer ausrichten können? Und überdies: Verdient, wer erfolgreich lügt, härtere Strafe als der Tor, der sich belügen läßt?

Ich, als Hindu, habe tiefere Achtung vor dem Lügner als vor dem Belogenen — und ich glaube, auch ihr Weißen fühlt insgeheim gleich mir, denn weshalb löget ihr sonst so oft?