Am nächsten Nachmittag zeigte mir Walter den indischen Patienten. Er war wegen seiner vorgeschrittenen Tuberkulose in einem Separatzimmer untergebracht.

Ich hatte erwartet, einen jener abgemergelten Inder zu finden, wie man sie auf den Bildern der indischen Hungersnöte in illustrierten Zeitschriften sieht. Zu meiner Überraschung traf ich einen jugendlichen Mann von nicht unsympathischen Gesichtszügen, dem man seine schwere Krankheit kaum ansah.

Er lag ruhig im Bett und betrachtete mich mit durchtriebenen Augen, die eine drollig-naive Spitzbüberei verrieten.

Der Bursche gefiel mir. Wenn ich nach dem ersten Eindruck eine Diagnose seines Charakters hätte stellen sollen, hätte ich gesagt: »Windhund.«

»Geh nicht zu nah an ihn ran,« flüsterte mir Dr. Heßberg zu. »Er beißt, wenn er gereizt wird!«

Aber aus den Augen Mister Galgenstricks sprach keine feindliche Absicht. Er musterte mich eine Weile schweigend und frug dann: »Bringst du mir heiligen Kuhmist, Herr?«

Ich muß gestehen, es war das schauderhafteste Englisch, das je meine Ohren schmerzte.

»Nein,« antwortete ich. »Aber ich werde versuchen, ihn dir zu verschaffen.«

Walter gab mir einen Rippenstoß. »Bist du verrückt?«

Der Kranke hingegen nickte befriedigt. Ich hatte ihm eine Hoffnung gegeben, und er war mir dankbar dafür.