»Was sind nun die sechs mit der Entsagung verbundenen Traurigkeiten? Wer ebenda bei den Formen Vergänglichkeit gemerkt hat, Veränderung, Unrath, Untergang, ›Formen von einst wie von heute, alle die Formen sind vergänglich, leidig, wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit betrachtet und nun der höchsten Erlösungen in Sehnsucht gedenkt, {371} ›Wann doch nur werde ich das Gebiet erobert haben, das die Heiligen schon besitzen?‹, so der höchsten Erlösungen sehnsüchtig eingedenk ist, wird aus Sehnsucht traurig bewegt: eine solche Traurigkeit, die heißt mit der Entsagung verbundene Traurigkeit.[179] Wer ebenda bei den Tönen, den Düften, den Säften, den Tastungen, den Dingen Vergänglichkeit gemerkt hat, Veränderung, Unrath, Untergang, ›Dinge von einst wie von heute, alle die Dinge sind vergänglich, leidig, wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit betrachtet und nun der höchsten Erlösungen in Sehnsucht gedenkt, ›Wann doch nur werde ich das Gebiet erobert haben, das die Heiligen schon besitzen?‹, so der höchsten Erlösungen sehnsüchtig eingedenk ist, wird aus Sehnsucht traurig bewegt: eine solche Traurigkeit, die heißt mit der Entsagung verbundene Traurigkeit. Das sind die sechs mit der Entsagung verbundenen Traurigkeiten.

»Was sind nun die sechs mit dem Hause verbundenen Gleichheiten? Hat man mit dem Gesichte eine Form erblickt und bleibt gleichgültig, als Thor unbewusst, ein gewöhnlicher Mensch, der Einwirkung und Befruchtung nicht entfremdet, ohne das Elend zu sehn, ein unerfahrener gewöhnlicher Mensch, so kann ein solcher Gleichmuth eine Form nicht überwinden: darum wird dieser Gleichmuth mit dem Hause verbunden geheißen. Hat man mit dem Gehöre einen Ton gehört, hat man mit dem Geruche einen Duft gerochen, hat man mit dem Geschmacke einen Saft geschmeckt, hat man mit dem Getaste eine Tastung getastet, hat man mit dem Gedenken ein Ding erkannt und bleibt gleichgültig, als Thor unbewusst, ein gewöhnlicher Mensch, der Einwirkung und Befruchtung nicht entfremdet, ohne das Elend zu sehn, ein unerfahrener, gewöhnlicher Mensch, so kann ein solcher Gleichmuth ein Ding nicht überwinden: darum wird dieser Gleichmuth mit dem Hause verbunden geheißen. Das sind die sechs mit dem Hause verbundenen Gleichheiten.

{372}»Was sind nun die sechs mit der Entsagung verbundenen Gleichheiten? Hat man ebenda bei den Formen Vergänglichkeit gemerkt, Veränderung, Unrath, Untergang, ›Formen von einst wie von heute, alle die Formen sind vergänglich, leidig, wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit betrachtet und bleibt gleichgültig, so kann ein solcher Gleichmuth eine Form überwinden: darum wird dieser Gleichmuth mit der Entsagung verbunden geheißen. Hat man ebenda bei den Tönen, den Düften, den Säften, den Tastungen, den Dingen Vergänglichkeit gemerkt, Veränderung, Unrath, Untergang, ›Dinge von einst wie von heute, alle die Dinge sind vergänglich, leidig, wandelbar‹, also dies, der Wahrheit gemäß, mit vollkommener Weisheit betrachtet und bleibt gleichgültig, so kann ein solcher Gleichmuth ein Ding überwinden: darum wird dieser Gleichmuth mit der Entsagung verbunden geheißen. Das sind die sechs mit der Entsagung verbundenen Gleichheiten. — ‚Sechsunddreißig Fesselpfade sind zu merken‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da mögt ihr denn, Mönche, die sechs mit der Entsagung verbundenen Fröhlichkeiten als Stütze gebrauchen, als Staffel gebrauchen um die sechs mit dem Hause verbundenen Fröhlichkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der Entsagung verbundenen Traurigkeiten als Stütze gebrauchen, als Staffel gebrauchen um die sechs mit dem Hause verbundenen Traurigkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der Entsagung verbundenen Gleichheiten als Stütze gebrauchen, als Staffel gebrauchen um die sechs mit dem Hause verbundenen Gleichheiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diese abstoßen kann, {373} das ist die Art, wie man diese überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der Entsagung verbundenen Fröhlichkeiten als Stütze gebrauchen, als Staffel gebrauchen um die sechs mit der Entsagung verbundenen Traurigkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese überschreiten kann. Dann mögt ihr, Mönche, die sechs mit der Entsagung verbundenen Gleichheiten als Stütze gebrauchen, als Staffel gebrauchen um die sechs mit der Entsagung verbundenen Fröhlichkeiten abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diese abstoßen kann, das ist die Art, wie man diese überschreiten kann.

»Es giebt, ihr Mönche, einen Gleichmuth, der vielfach, mit Vielheit verbunden ist, es giebt einen Gleichmuth, der einfach, mit Einheit verbunden ist. Was ist das nun, ihr Mönche, für ein Gleichmuth, der vielfach, mit Vielheit verbunden ist? Es giebt, ihr Mönche, einen Gleichmuth bei Formen, giebt ihn bei Tönen, bei Düften, bei Säften, bei Tastungen: das ist, ihr Mönche, ein Gleichmuth, der vielfach, mit Vielheit verbunden ist. Was aber ist das, ihr Mönche, für ein Gleichmuth, der einfach, mit Einheit verbunden ist? Es giebt, ihr Mönche, einen Gleichmuth, der an die unbegränzte Raumsphäre gebunden ist, der an die unbegränzte Bewusstseinsphäre gebunden ist, der an die Nichtdaseinsphäre gebunden ist, der an die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung gebunden ist: das ist, ihr Mönche, ein Gleichmuth, der einfach, mit Einheit verbunden ist. Da mögt ihr denn, Mönche, den Gleichmuth, der einfach, mit Einheit verbunden ist, als Stütze gebrauchen, als Staffel gebrauchen um den Gleichmuth, der vielfach, mit Vielheit verbunden ist, abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diesen abstoßen kann, das ist die Art, wie man diesen überschreiten kann. Unmittelbarkeit mögt ihr, Mönche, als Stütze gebrauchen, Unmittelbarkeit als Staffel gebrauchen um den Gleichmuth, der einfach, mit Einheit verbunden ist, abzustoßen, überzuschreiten: das ist die Art, wie man diesen abstoßen kann, das ist die Art, wie man diesen überschreiten kann. — ‚Dann habt ihr auf eines gestützt ein anderes abzustoßen‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

{374} »‚Drei Pfeiler der Einsicht dann heilig behütet, in heiliger Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Da legt, ihr Mönche, ein Meister den Jüngern die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen: ›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ Und die Jünger horchen nicht auf ihn, leihen ihm kein Gehör, wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, und übertreten in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Da wird, ihr Mönche, der Vollendete nicht unzufrieden, empfindet keine Unzufriedenheit, unbetrübt verweilt er besonnen, klar bewusst. Das heißt man, ihr Mönche, ersten Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet, in heiliger Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig.

»Weiter sodann, ihr Mönche: da legt ein Meister den Jüngern die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen: ›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ Und manche der Jünger horchen nicht auf ihn, leihen ihm kein Gehör, wenden das Herz nicht dem Verständnisse zu, und übertreten in ihrem Betragen die Satzung des Meisters; und manche der Jünger horchen auf ihn, leihen ihm Gehör, wenden das Herz dem Verständnisse zu, und nicht übertreten sie in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Da wird, ihr Mönche, der Vollendete weder zufrieden, empfindet keine Zufriedenheit, noch unzufrieden, empfindet keine Unzufriedenheit: Zufriedenheit und Unzufriedenheit, beides hat er von sich gewiesen, gleichmüthig verweilt er besonnen, klar bewusst. Das heißt man, ihr Mönche, zweiten Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet, in heiliger Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig.

»Weiter sodann, ihr Mönche: da legt ein Meister den Jüngern die Lehre dar, mitleidig, wohlwollend, von Mitleid bewogen: ›Das dient euch zum Wohle, das dient euch zum Heile.‹ {375} Und die Jünger horchen auf ihn, leihen ihm Gehör, wenden das Herz dem Verständnisse zu, und nicht übertreten sie in ihrem Betragen die Satzung des Meisters. Da wird, ihr Mönche, der Vollendete nicht zufrieden, empfindet keine Zufriedenheit, ungetrübt verweilt er besonnen, klar bewusst.[180] Das heißt man, ihr Mönche, dritten Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet, in heiliger Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig. — ‚Drei Pfeiler der Einsicht, dann heilig behütet, in heiliger Hut als Meister, und Jünger aufzuerziehn ist man würdig‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.

»‚Ein solcher heißt der Fahrkundigen vorzüglichster, Leiter der Menschenheerde‘: das ist gesagt worden; und warum ist das gesagt worden? Der Elephantenlenker, ihr Mönche, lässt den Reitelephanten eben nach einer Richtung laufen, nach Osten oder nach Westen, nach Norden oder nach Süden. Der Rosselenker, ihr Mönche, lässt das Wagenross eben nach einer Richtung laufen, nach Osten oder nach Westen, nach Norden oder nach Süden. Der Stiertreiber, ihr Mönche, lässt den Zugstier eben nach einer Richtung laufen, nach Osten oder nach Westen, nach Norden oder nach Süden. Der Vollendete, ihr Mönche, der Heilige, vollkommen Erwachte, lässt das Menschenthier[181] acht Richtungen durchlaufen. Formhaft ist es und sieht die Formen: das ist die erste Richtung. Innen ohne Formwahrnehmung sieht es außen Formen: das ist die zweite Richtung. Schönheit nur hat es im Sinne[182]: das ist die dritte Richtung. Durch völlige Ueberwindung der Formwahrnehmungen, Vernichtung der Gegenwahrnehmungen, Verwerfung der Vielheitwahrnehmungen gewinnt es in dem Gedanken ›Gränzenlos ist der Raum‹ das Reich des unbegränzten Raumes: das ist die vierte Richtung. Nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Raumsphäre gewinnt es in dem Gedanken {376} ›Gränzenlos ist das Bewusstsein‹ das Reich des unbegränzten Bewusstseins: das ist die fünfte Richtung. Nach völliger Ueberwindung der unbegränzten Bewusstseinsphäre gewinnt es in dem Gedanken ›Nichts ist da‹ das Reich des Nichtdaseins: das ist die sechste Richtung. Nach völliger Ueberwindung der Nichtdaseinsphäre erreicht es die Gränzscheide möglicher Wahrnehmung: das ist die siebente Richtung. Nach völliger Ueberwindung der Gränzscheide möglicher Wahrnehmung erreicht es die Auflösung der Wahrnehmbarkeit: das ist die achte Richtung. Der Vollendete, ihr Mönche, der Heilige, vollkommen Erwachte, lässt das Menschenthier diese acht Richtungen durchlaufen. — ‚Ein solcher heißt der Fahrkundigen vorzüglichster, Leiter der Menschenheerde‘: wurde das gesagt, so war es darum gesagt.«

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.[183]