Diesem nüchternen und doch beredten Epitaph ist wohl ferner noch zu entnehmen, dass die Brüder, bez. Halbbrüder Gotamos das Erbe Sakkos gemeinsam angetreten hatten. Zerstörender Habsucht an 2400 Jahre verborgen wurde Urne und Phiole im Januar 1898 aus einem kostbar schützenden Topenhügel bei Piprāvā an der nepālischen Gränze ausgegraben und noch von BÜHLER als das erste historische Sakyer -Dokument erkannt, Journ. Roy. As. Soc. 1898 p. 389, die Inschrift aber erst von PISCHEL im 56. Bande d. Zeitschr. deutsch. morgenländ. Ges. S. 157 f. richtig erklärt. — Der Unfug mit dem S̀akaśākagargādibhyo yañ ist späterer Missverstand, wie die gute alte Theragāthā 533 u. 536 zeigt.
[110] Sälige Gestalt, tusito kāyo, im Reiche der Säligen Götter, vor der Herabkunft zur Erde. — Zu bodhisatto, erwachsam, d. h. der Erwachung angeschlossen sein, ihr nachhängen, sie erringen, cf. die Anmerkung 5 des ersten Bandes. Asokos Eigenbericht auf dem VIII. Felsenedikte, Piyadasi rājā dasavasābhisito saṃto ayāya saṃbodhiṃ, entspricht sehr schön unserem Topus, e. g. erster Band l. c., pubbe ’va sambodhā bodhisatto ’va santo: man hat also damals die wahre Etymologie von bodhisatto noch recht wohl verstanden. Später haben dann die nordbuddhistischen Uebersetzer und Bearbeiter das so natürliche, mit dem Sprachgebrauche vollkommen übereinstimmende tatpuruṣam ( bodhisaktas ) aus Unkenntniss in ein gekünsteltes, barbarisches, ja unmögliches bahuvrīhi ( bodhisattvas ) verballhornt und der wüsten tibetischen Spekulation vorgearbeitet.[111] asuryā nāma te lokāḥ, andhena tamasāvṛtāḥ: Bṛhadāraṇyake IV, 4, 14; weiterhin bloß alokas genannt, sc. cakravālas, e. g. Raghuvaṃśe I, 68. — Vergl. die syntopischen Parallelen Mahāvastu I, 230, Divyāvadānam p. 204, Lalitavistaras V, v. 77. Irgendwie vermittelt ist diese Vorstellung bei den Scholastikern als Lehre vom Limbus rezipiert: »Juxta s. THOMAM limbus Patrum et infernus qualitate quidem locorum differunt, at situ probabiliter sunt quasi idem tractus continuus, sic tamen, ut magno spatio una commoratio ab altera distet«; rursus: »Multi cum s. THOMA in spatio intermedio purgatorium situm esse censent«: VIDMAR, Comp. rep. theol. dogm. p. 599. — Eine gleiche Phraseologie vom Lichtglanze durch die ganze Welt etc. im langen Hymnus des syrischen Propheten EPHRAEM auf die Geburt des göttlichen Knaben.[112] Die spezielle Parallele hierzu im MAKARIOS, Apophthegm. ed. PRITIUS p. 266, bei εκ μερους τις θεωρει tτο προσωπον του ἑτερου, κτλ. — Die zehntausendfache Welt, wie die zehntausend Wesen im Tao-te-king Kap. 16, passim, oder die homerischen δμωες μαλα μυριοι, Od. XVII, 422, s. v. a. unzählig manigfach, unendlich reich.[113] Vergl. Mantrabrāhmaṇam I, 4, 6 (= Ṛgvedas X, 184, 1 ):
Viṣṇur yoniṃ kalpayatu,
Tvaṣṭā rūpāṇi piṃśatu,
āsiñcatu Prajāpatir,
Dhātā garbhaṃ dadhātu te.
Komm.: Prajāpatiḥ: prajānāṃ pālako devaḥ. Etc. Es wird also hier, der S̀ruti gemäß, der Cattāro mahābrahmāṇo gedacht sein: die Lokapālā kommen erst später.
[114] pakatiyā sīlavatī; von sīlam - ηθος, suetum, Sitte: es ist das συγγενες ηθος PINDARS (Ol. XIII, 13), die angeborene Art.[115] Vgl. Bhāgavatapurāṇam X, 2, 20, passim. — Eine schwangere Maria, in deren durchsichtigem Schooße man das strahlende Knäblein erblickt, ist kunstvoll geschnitzt auf dem linken Flügel des inneren 500 Jahre alten Kirchenportals zu Irrsdorf (einem kleinen Weiler neben Straßwalchen, auf bedeutsamen römischen Ueberresten errichtet), neuerdings kopiert auf dem Kapellenthore der Burg Kreuzenstein bei Stockerau dargestellt; vom Volke um Kindersegen angegangen. Ein Freskobild dieser Art hat RHYS DAVIDS erwähnt gefunden, Buddhist Birth Stories S. 65 Anm. Dergl. Kunstwerke mögen zunächst auf eine im Mittelalter beliebte, sinnige Vorstellung zurückweisen: cf. Band 2, Anm. 125; und von da wohl auf AUGUSTINUS, wie Meister ECKHART bemerkt hat, S. 411 i. f., eigentlich schon auf MAKARIOS MG., ed. BLONDEL p. 216: Ὡς γαρ εις ὑγροτητα καταβαινων ἡλιος ουχ ὑγροτητα δεχεται ουδε πηλωδης εὑρισκεται, την δ’ὑγροτητα του πηλου ξηραινων στεγανοι αυτος ὁλως την αυγην ουκ αποθολουμενος· οὑτως ὁ Θεος Λογος, ων ἡλιος νοητος, εις σαρκα κατελθων κτλ. — Nb. noch das »Marienglas«, lapis specularis.
Vielleicht lassen sich solche spezifisch ārische Begriffe, um nicht Dogmen zu sagen, zuletzt in den ṛgvedischen Hiraṇyagarbhas ohne Mühe und heiter auflösen, von dem der Seher, X, 121, 1, singt:
Hiraṇyagarbhaḥ samavartatāgre,