›Erblickte ich nun mit dem Gesichte eine Form, so fasste ich keine Neigung, fasste keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gesichtes verweilt, befleißigte ich mich dieser Bewachung, ich hütete das Gesicht, ich wachte eifrig über das Gesicht.

›Hörte ich nun mit dem Gehöre einen Ton,

›Roch ich nun mit dem Geruche einen Duft,

›Schmeckte ich nun mit dem Geschmacke einen Saft,

›Tastete ich nun mit dem Getaste eine Tastung,

›Erkannte ich nun mit dem Gedenken ein Ding, so fasste ich keine Neigung, fasste keine Absicht. Da Begierde und Missmuth, böse und schlechte Gedanken gar bald den überwältigen, der unbewachten Gedenkens verweilt, befleißigte ich mich dieser Bewachung, ich hütete das Gedenken, ich wachte eifrig über das Gedenken.

›Durch die Erfüllung dieser heiligen Sinnenzügelung empfand ich ein inneres ungetrübtes Glück.

›Klar bewusst kam ich und ging ich, klar bewusst blickt’ ich hin, blickt’ ich weg, klar bewusst regt’ und bewegt’ ich mich, klar bewusst trug ich des Ordens Gewand und Almosenschaale, klar bewusst aß und trank ich, kaut’ ich und schmeckt’ ich, klar bewusst entleert’ ich Koth und Harn, {124} klar bewusst ging und stand und saß ich, schlief ich ein, wacht’ ich auf, sprach ich und schwieg ich.

›Treu dieser heiligen Tugendsatzung, treu dieser heiligen Sinnenzügelung, treu dieser heiligen klaren Einsicht suchte ich einen abgelegenen Ruheplatz auf, einen Hain, den Fuß eines Baumes, eine Felsengrotte, eine Bergesgruft, einen Friedhof, die Waldesmitte, ein Streulager in der offenen Ebene. Nach dem Mahle, wenn ich vom Almosengange zurückgekehrt war, setzte ich mich mit verschränkten Beinen nieder, den Körper gerade aufgerichtet, und pflegte der Einsicht. Ich hatte weltliche Begierde verworfen und verweilte begierdelosen Gemüthes, von Begierde läuterte ich mein Herz. Gehässigkeit hatt’ ich verworfen, hasslosen Gemüthes verweilt’ ich, voll Liebe und Mitleid zu allen lebenden Wesen läuterte ich mein Herz von Gehässigkeit. Matte Müde hatt’ ich verworfen, von matter Müde war ich frei; das Licht liebend, einsichtig, klar bewusst, läuterte ich mein Herz von matter Müde. Stolzen Unmuth hatt’ ich verworfen, ich war frei von Stolz; innig beruhigten Gemüthes läuterte ich mein Herz von stolzem Unmuth.[48] Das Schwanken hatt’ ich verworfen, der Ungewissheit war ich entronnen; ich zweifelte nicht am Guten, vom Schwanken läuterte ich mein Herz.

›Ich hatte nun diese fünf Hemmungen aufgehoben, hatte die Schlacken des Gemüthes kennen gelernt, die lähmenden; gar fern von Begierden, fern von unheilsamen Dingen lebt’ ich in sinnend gedenkender ruhegeborener säliger Heiterkeit, in der Weihe der ersten Schauung.