›Nach Vollendung des Sinnens und Gedenkens gewann ich die innere Meeresstille[49], die Einheit des Gemüthes, die von sinnen, von gedenken freie, in der Einigung geborene sälige Heiterkeit, die Weihe der zweiten Schauung.
›In heiterer Ruhe verweilte ich gleichmüthig, einsichtig, klar bewusst, ein Glück empfand ich im Körper, von dem die Heiligen sagen: ‚Der gleichmüthig Einsichtige lebt beglückt‘; so gewann ich die Weihe der dritten Schauung.
›Nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns gewann ich die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung.
›Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, {125} schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtete ich das Gemüth auf die Erkenntnis der Wahnversiegung. ‚Das ist das Leiden‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Leidensentwicklung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Leidensauflösung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist der Wahn‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Wahnentwicklung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist die Wahnauflösung‘ verstand ich der Wahrheit gemäß. ‚Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‘ verstand ich der Wahrheit gemäß.
›Also erkennend, also sehend ward da mein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ‚Im Erlösten ist die Erlösung‘, diese Erkenntniss ging auf. ‚Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‘ verstand ich da.
›So ein Wissen hab’ ich, Brüder, so ein Schauen, bei allen äußeren Eindrücken auf diesen mit Bewusstsein behafteten Körper da, und habe der Ichheit und Meinheit Dünkelanwandlungen gänzlich ausgetilgt.‹
»Die Rede, ihr Mönche, eines solchen Mönches ist zu billigen und gutzuheißen; und hat man sie gebilligt und gutgeheißen, so hat man ihn also anzureden: ›Gesegnet sind wir, Bruder, hochgesegnet sind wir, Bruder, die wir den Ehrwürdigen als so ächten Asketen gegenwärtig haben.‹«[50]
Also sprach der Erhabene. Zufrieden freuten sich jene Mönche über das Wort des Erhabenen.
113.
Zwölfter Theil