{212} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Osthaine, auf Mutter Migāros Terrasse.
Da nun begab sich der ehrwürdige Ānando eines Abends, nach Aufhebung der Gedenkensruhe, dorthin wo der Erhabene weilte, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig und setzte sich seitwärts nieder. Seitwärts sitzend sprach nun der ehrwürdige Ānando also zum Erhabenen:
»Es war einmal, o Herr, da weilte der Erhabene im Lande der Sakyer, bei Nagarakam, einer Burg im Sakyergebiete. Damals hab’ ich, o Herr, vom Erhabenen selbst es gehört, selbst es vernommen: ›Armuth erfahren hab’ ich, Ānando, in dieser Zeit am meisten gemocht.‹ Hab’ ich es wohl, o Herr, recht gehört, recht vernommen, recht gemerkt, recht behalten?«
»Gewiss hast du es, Ānando, recht gehört, recht vernommen, recht gemerkt, recht behalten. So damals, Ānando, wie heute hab’ ich Armuth erfahren am meisten gemocht. — Gleichwie etwa, Ānando, diese Terrasse Mutter Migāros ohne Elephanten, Rinder und Rosse ist, ohne Gold und Silber, ohne Gesellschaft von Weibern und Männern, und nur einen Reichthum aufweist an einer Schaar Mönche als einzigen Gegenstand: ebenso nun auch, Ānando, hat ein Mönch den Gedanken ›Dorf‹ entlassen, den Gedanken ›Mensch‹ entlassen; den Gedanken ›Wald‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. im Gedanken ›Wald‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Dorf‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Mensch‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist geblieben, {213} nämlich der Gedanke ‚Wald‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Dorf‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Mensch‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Wald‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Mensch‹ entlassen, den Gedanken ›Wald‹ entlassen; den Gedanken ›Erde‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Erde‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Gleichwie etwa, Ānando, eine Stierhaut mit dem Falzeisen wohl abgeschabt, von den Falten geglättet wird: ebenso nun auch, Ānando, hat der Mönch was es auf dieser Erde an Erhebungen und Vertiefungen, an Flussläufen, an wüstem und waldigem Gebiet, an Bergen und Thälern giebt, das alles aus seinem Geiste entlassen; den Gedanken ›Erde‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand.[102] im Gedanken ›Erde‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Mensch‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Wald‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist geblieben, nämlich der Gedanke ‚Erde‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Mensch‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Wald‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Erde‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, {214} darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Wald‹ entlassen, den Gedanken ›Erde‹ entlassen; den Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Wald‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Erde‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Wald‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Erde‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Erde‹ entlassen, den Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ entlassen; den Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Erde‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, {215} die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Erde‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Unbegränzte Raumsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ entlassen; den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Nichtdaseinsphäre‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Raumsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, {216} davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Unbegränzte Bewusstseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen; den Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ nimmt er auf als einzigen Gegenstand. Im Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich der Gedanke ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘ als einziger Gegenstand.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Unbegränzte Bewusstseinsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘; und nur einen Reichthum weist sie auf am Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘ als einzigen Gegenstand.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.
»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ entlassen; geistige Einheit ohne Vorstellung nimmt er auf als einzigen Gegenstand. In geistiger Einheit ohne Vorstellung erhebt sich ihm das Herz, {217} erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘ entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus dem Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘ entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich dieser Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Nichtdaseinsphäre‘‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um den Gedanken ‚Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‘; und nur einen Reichthum weist sie auf an diesem Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also aber, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine Armuth über ihn herab.