»Weiter sodann, Ānando, hat der Mönch den Gedanken ›Nichtdaseinsphäre‹ entlassen, den Gedanken ›Gränzscheide möglicher Wahrnehmung‹ entlassen; geistige Einheit ohne Vorstellung nimmt er auf als einzigen Gegenstand. In geistiger Einheit ohne Vorstellung erhebt sich ihm das Herz, erheitert sich, beschwichtigt sich, beruhigt sich. Also erkennt er: ›Auch diese geistige Einheit ohne Vorstellung ist zusammengesetzt, zusammengesonnen: was aber irgend zusammengesetzt, zusammengesonnen ist, das ist wandelbar, muss untergehn‹: das erkennt er. In solcher Kunde, solchem Anblicke löst sich ihm das Herz vom Wunscheswahn ab, und löst sich ihm das Herz vom Daseinswahn ab, und löst sich ihm das Herz vom Nichtwissenswahn ab. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. {218} Also erkennt er: ›Spaltungen, die aus Wunscheswahn entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus Daseinswahn entständen, die giebt es da nicht, Spaltungen, die aus Nichtwissenswahn entständen, die giebt es da nicht; und nur eine Spaltung ist übrig geblieben, nämlich dieser Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Er weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um Wunscheswahn‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um Daseinswahn‹, weiß: ›Aermer geworden ist diese Denkart um Nichtwissenswahn; und nur einen Reichthum weist sie auf an diesem Körper da, behaftet mit den sechs Sinnen, als Bedingung des Lebens.‹ Um was denn also weniger da ist, darum ärmer geworden sieht er es an; und was da noch übrig geblieben ist, davon weiß er: ›Bleibt dieses, bleibt jenes.‹ Also, Ānando, kommt diese wahrhafte, unverbrüchliche, durchaus reine, allerhöchste Armuth über ihn herab.

»Wer aber auch immer, Ānando, in vergangener Zeit als ein Asket oder Priester durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen hatte, ein jeder solche hatte eben diese durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen. Wer aber auch immer, Ānando, in künftiger Zeit als ein Asket oder Priester durchaus reine, allerhöchste Armuth erringen wird, ein jeder solche wird eben diese durchaus reine, allerhöchste Armuth erringen. Wer aber auch immer, Ānando, in dieser Zeit als ein Asket oder Priester durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen hat, ein jeder solche hat eben diese durchaus reine, allerhöchste Armuth errungen.

»Darum aber, Ānando: ›Durchaus reine, allerhöchste Armuth wollen wir erringen‹: {219} so habt ihr, Ānando, euch wohl zu üben.«[103]

Also sprach der Erhabene. Zufrieden freute sich der ehrwürdige Ānando über das Wort des Erhabenen.

122.

Dreizehnter Theil

Zweite Rede

ARMUTH
– II –

Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene im Lande der Sakker, bei Kapilavatthu, im Park der Feigenbäume.

Da nun begab sich der Erhabene eines Morgens, zeitig gerüstet, mit Mantel und Schaale versehn, auf den Almosengang nach Kapilavatthu, trat in der Stadt von Haus zu Haus um Almosen hin und wandte sich dann, nach dem Mahle, vom Almosengange zurückgekehrt, der Einsiedelei des Sakkers Kāḷakhemako zu, bis gegen Sonnenuntergang da zu verweilen.