»Da hat, König der Götter, ein Mönch gehört: ›Kein Ding ist der Mühe werth.‹ Wenn der Mönch, König der Götter, dies gehört hat ›Kein Ding ist der Mühe werth‹, so betrachtet er jedes Ding; und wenn er jedes Ding betrachtet hat, durchschaut er jedes Ding; und wenn er jedes Ding durchschaut hat und nun irgend ein Gefühl empfindet, ein freudiges oder leidiges oder weder freudig noch leidiges, so beobachtet er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung; und indem er bei diesen Gefühlen die Gesetze der Vergänglichkeit, der Aufhebung, der Auflösung, der Entäußerung beobachtet, hangt er nirgend in der Welt an; ohne anzuhangen wird er nicht erschüttert, unerschütterlich gelangt er eben bei sich selbst zur Erlöschung: {252} ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. Insofern, König der Götter, ist ein Mönch, kurz gesagt, durch Versiegung des Durstes erlöst, durchaus gefeit, durchaus gesichert, durchaus geheiligt, durchaus vollendet, Höchster der Götter und Menschen.«

Da war nun Sakko, der Götter König, durch des Erhabenen Rede erfreut und befriedigt, begrüßte den Erhabenen ehrerbietig, ging rechts herum und verschwand von diesem Orte.

Zu jener Zeit nun hatte der ehrwürdige Mahāmoggallāno nicht fern vom Erhabenen Platz genommen. Da nun kam dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno der Gedanke: ›Ist wohl dieser Geist durch des Erhabenen Rede vollauf befriedigt worden, oder nicht? Wie, wenn ich nun diesen Geist prüfte, ob er durch des Erhabenen Rede vollauf befriedigt wurde, oder aber nicht?‹ Da verschwand nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno, so schnell wie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag, von Mutter Migāros Terrasse im Osthain und erschien bei den Dreiunddreißig Göttern.

Zu jener Zeit nun erging sich Sakko, der Götter König, im Garten der weißen Lotusblüthe, dem Genusse der fünfhundertstimmigen Himmelsmusik hingegeben. Da erblickte Sakko, der Götter König, den ehrwürdigen Mahāmoggallāno wie von ferne herankommen. Als er ihn gesehn winkte er jener fünfhundertstimmigen Himmelsmusik ab, ging dem ehrwürdigen Mahāmoggallāno entgegen und sprach also zu ihm:

»Komm’, o würdiger Moggallāno, sei gegrüßt, würdiger Moggallāno! Lange schon, würdiger Moggallāno, habe ich auf die Gunst dieses Besuches gehofft! Setze dich, würdiger Moggallāno, nimm hier Platz.«

Es setzte sich der ehrwürdige Mahāmoggallāno auf den angebotenen Sitz. Sakko aber, der Götter König, nahm einen anderen, niederen Stuhl und setzte sich zur Seite. Den zur Seite sitzenden Sakko, den König der Götter, sprach nun der ehrwürdige Mahāmoggallāno also an:

»Auf welche Weise hat dir denn, Kosiyo, der Erhabene die Erlösung durch Versiegung des Durstes kurz dargelegt? Gut wär’ es, wenn auch wir dieser Rede theilhaftig würden und sie hörten.«

»Wir haben, o würdiger Moggallāno, viele Pflichten, wir haben viele Obliegenheiten zu erfüllen, sowohl in eigener Sache als auch in Beziehung auf die Dreiunddreißig Götter. Aber, würdiger Moggallāno, es ist gar wohl verstanden, {253} wohl begriffen, wohl gemerkt, wohl aufbewahrt, so dass es nicht so bald vergessen sein wird. — Es war einmal, würdiger Moggallāno, ein Kampf zwischen Göttern und Unholden zum Ausbruch gekommen. In jenem Kampfe nun, würdiger Moggallāno, siegten die Götter und verloren die Unholde. Nachdem ich nun, würdiger Moggallāno, jenen Kampf glücklich beendet hatte und siegreich wieder zurückgekehrt war, erbaute ich ein Schloss und nannte es Siegesbanner. Und das Siegesbanner-Schloss, o würdiger Moggallāno, hat hundert Thore: auf jedem der Thore sind siebenmal siebenhundert Terrassen, auf jeder der Terrassen befinden sich siebenmal sieben Nymphen, und jede der Nymphen hat ein Gefolge von siebenmal sieben Gespielinen. Wünschest du nicht, würdiger Moggallāno, die Wonnen des Siegesbanner-Schlosses zu sehn?«

Schweigend gewährte der ehrwürdige Mahāmoggallāno die Bitte.

Da nun begaben sich Sakko, der Götter König, und Vessavaṇo, der Große Herrscher, unter dem Vortritt des ehrwürdigen Mahāmoggallāno zum Siegesbanner-Schlosse. Und es sahn des Götterkönigs Sakko Trabanten, wie der ehrwürdige Mahāmoggallāno von ferne herankam, und als sie ihn gesehn errötheten sie, schämten sich und zogen sich in ihre Gemächer zurück. Gleichwie etwa eine Schwiegertochter, den Schwiegervater erblickend, erröthet und sich schämt, so auch errötheten da des Götterkönigs Sakko Trabanten als sie den ehrwürdigen Mahāmoggallāno gesehn, schämten sich und zogen sich in ihre Gemächer zurück. Da nun führten Sakko, der Götter König, und Vessavaṇo, der Große Herrscher, den ehrwürdigen Mahāmoggallāno im Siegesbanner-Schlosse umher, geleiteten ihn dahin und dorthin: »Sieh’ nur, würdiger Moggallāno, diese Wonne des Siegesbanner-Schlosses, sieh’ nur, würdiger Moggallāno, jene Wonne des Siegesbanner-Schlosses!«