Neunte Rede

BRAHMĀS HEIMSUCHUNG

{326} Das hab’ ich gehört. Zu einer Zeit weilte der Erhabene bei Sāvatthī, im Siegerwalde, im Garten Anāthapiṇḍikos. Dort nun wandte sich der Erhabene an die Mönche: »Ihr Mönche!« — »Erlauchter!« antworteten da jene Mönche dem Erhabenen aufmerksam. Der Erhabene sprach also:

»Eines Tages, ihr Mönche, weilte ich da bei Ukkaṭṭhā, im Lustwalde, am Fuße eines Königsbaumes. Damals aber, ihr Mönche, war der Brahmā Bako[37] zu der falschen Ansicht gekommen: ›Hier ist das Ewige, hier das Beharrende, Immerwährende, hier ist Unauflösbarkeit und Unvergänglichkeit: denn hier herrscht kein Geborenwerden und Altern, kein Sterben und Vergehn und Wiedererscheinen; und es giebt keine andere, höhere Freiheit als diese.‹

»Und ich erkannte, ihr Mönche, des Brahmās Bako Gedanken, und gleichwie etwa ein kräftiger Mann den eingezogenen Arm ausstrecken oder den ausgestreckten Arm einziehn mag, ebenso verschwand ich da von Ukkaṭṭhā, aus dem Lustwalde, vom Fuße des Königsbaumes, und erschien in jener Brahmawelt. Da sah mich, ihr Mönche, der Brahmā Bako wie von ferne herankommen, und nachdem er mich gesehn sprach er also zu mir: ›Heil, o Würdiger, willkommen, Würdiger! Lange schon hab’ ich die Hoffnung gehegt, der Würdige werde hierherkommen. Denn hier, Würdiger, ist das Ewige, hier das Beharrende, Immerwährende, hier ist Unauflösbarkeit und Unvergänglichkeit: hier herrscht kein Geborenwerden und Altern, kein Sterben und Vergehn und Wiedererscheinen; und eine andere, höhere Freiheit als diese giebt es nicht.‹

»Hierauf, ihr Mönche, erwiderte ich dem Brahmā Bako: ›Verblendet, wahrlich, ist der liebe Brahmā Bako, verblendet, wahrlich, ist der liebe Brahmā Bako, da er ja was eben nicht ewig ist als ewig bezeichnen will, was eben nicht beharrend ist als beharrend bezeichnen will, was eben dauerlos ist als immerwährend bezeichnen will, was eben auflösbar ist als unauflösbar bezeichnen will, was eben vergänglich ist als unvergänglich bezeichnen will, und nun von dem, was da geboren wird und altert, stirbt und vergeht und wiedererscheint, behauptet, dass es nicht geboren werde, nicht altere, nicht sterbe und vergehe und wiedererscheine, dann aber jene andere, höhere Freiheit, die es giebt, leugnet.‹

»Da fuhr nun, ihr Mönche, Māro der Böse in einen der Götter vom Gefolge Brahmās und sprach also aus ihm: ›Mönchlein, Mönchlein! Hüte dich vor diesem, hüte dich vor diesem: das ist ja Brahmā, o Mönch, der Große Brahmā, {327} der Uebermächtige, der Unübermächtigte, der Allsehende, der Gebieter, der Herr, der Schöpfer, der Erschaffer, der Höchste, der Erzeuger, der Erhalter, der Vater von allem was da war und sein wird. Schon vor dir, o Mönch, gab es in der Welt Asketen und Priester, die Erdenfeinde waren, Erdenverächter, die Wasserfeinde waren, Wasserverächter, die Feuerfeinde waren, Feuerverächter, die Luftfeinde waren, Luftverächter, die Naturfeinde waren, Naturverächter, die Götterfeinde waren, Götterverächter, die Feinde des Herrn der Zeugung waren, Verächter des Herrn der Zeugung, die Feinde Brahmās waren, Verächter Brahmās: diese gelangten bei der Auflösung des Körpers, nach verbrauchter Lebenskraft, zu verstoßenen Daseinsarten. Und es gab vor dir, o Mönch, Asketen und Priester in der Welt, die Erdenfreunde waren, Erdenliebhaber, die Wasserfreunde waren, Wasserliebhaber, die Feuerfreunde waren, Feuerliebhaber, die Luftfreunde waren, Luftliebhaber, die Naturfreunde waren, Naturliebhaber, die Götterfreunde waren, Götterliebhaber, die Freunde des Herrn der Zeugung waren, Liebhaber des Herrn der Zeugung, die Freunde Brahmās waren, Liebhaber Brahmās: diese gelangten bei der Auflösung des Körpers, nach verbrauchter Lebenskraft, zu erlesenen Daseinsarten. Und so rath’ ich dir denn, o Mönch: hab’ Acht, Würdiger! Was dir Brahmā gesagt hat, das lass’ dir gesagt sein, auf dass du nicht dem Worte Brahmās widersprechest! Wenn du, o Mönch, dem Worte Brahmās widersprechen wolltest, so wär’ es als ob ein Mann an einen Felsen träte und mit einem Stabe dagegen schlüge, oder als ob, o Mönch, ein Mann, in einen Höllenabgrund stürzend, mit Händen und Füßen Boden zu fassen suchte: ganz ebenso, o Mönch, würd’ es dir hier ergehn. Hab’ Acht, Würdiger! Was dir Brahmā gesagt hat, das lass’ dir gesagt sein, auf dass du nicht dem Worte Brahmās widersprechest!

Siehst, Mönchlein, du nicht rings umher

Den Götterkreis der Brahmawelt?‹

»Mit diesen Worten, ihr Mönche, führte mich Māro der Böse in den Kreis der Brahmagötter. Ich aber, ihr Mönche, sprach also zu Māro dem Bösen: ›Wohl kenn’ ich dich, Böser, lass’ die Hoffnung fahren: ‚Er kennt mich nicht‘, Māro bist du, der Böse. Und dieser Brahmā da, Böser, und diese Brahmagötter, und diese Brahmaschaaren: alle sind sie in deiner Hand, alle sind sie in deiner Willkür. Du freilich, Böser, denkst nun: ‚Auch der soll in meiner Hand sein, auch der soll in meiner Willkür sein!‘ Ich aber, Böser, stehe nicht in deiner Hand und stehe nicht in deiner Willkür.‹