Auf diese Worte wandte sich einer der Mönche an den Erhabenen: »Kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus äußeren Gründen eintreten?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Es wird, zum Beispiel, o Mönch, einem Menschen also zumuthe: ›Verloren hab’ ich’s, ach, ich besitze es nimmer! O, hätt’ ich’s doch wieder! Ach, nimmermehr werd’ ich’s erlangen!‹ Er ist traurig, gebrochen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust und geräth in Verzweiflung. Also, o Mönch, tritt unverständiges Zittern aus äußeren Gründen ein.«

»Und kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus äußeren Gründen unterbleiben?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Da wird, o Mönch, einem Menschen nicht also zumuthe: ›Verloren hab’ ich’s, ach, ich besitze es nimmer! O, hätt’ ich’s doch wieder! Ach, nimmermehr werd’ ich’s erlangen!‹ Er ist nicht traurig, nicht gebrochen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust und geräth nicht in Verzweiflung. Also, o Mönch, unterbleibt unverständiges Zittern aus äußeren Gründen.«

»Kann aber, o Herr, unverständiges Zittern ans inneren Gründen eintreten?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Es hat, zum Beispiel, o Mönch, einer den Glauben: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben.‹ Der hört vom Vollendeten oder von einem Jünger des Vollendeten die Verkündung der Wahrheit, die alles Anhängen und Genügen an falschen Lehren, Dogmen und Systemen von Grund aus zerstört, die zum Aufgehn aller Unterscheidung führt[16], zur Abwehr aller Anhaftung, zum Versiegen des Durstes, zur Wendung, zur Auflösung, zur Erlöschung. {137} Da wird ihm also zumuthe: ›Vernichtet werde ich sein, o, zugrunde gegangen, ach! Nicht mehr werde ich sein!‹ Er ist traurig, gebrochen, er jammert, schlägt sich stöhnend die Brust und geräth in Verzweiflung. Also, o Mönch, tritt unverständiges Zittern aus inneren Gründen ein.«

»Und kann wohl, o Herr, unverständiges Zittern aus inneren Gründen unterbleiben?«

»Kann sein, o Mönch«, sprach der Erhabene. »Da hat, o Mönch, einer nicht den Glauben: ›Das ist die Welt, das ist die Seele, das werde ich nach meinem Tode werden, unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich, ja, werde ich so verbleiben.‹ Der hört vom Vollendeten oder von einem Jünger des Vollendeten die Verkündung der Wahrheit, die alles Anhängen und Genügen an falschen Lehren, Dogmen und Systemen von Grund aus zerstört, die zum Aufgehn aller Unterscheidung führt, zur Abwehr aller Anhaftung, zum Versiegen des Durstes, zur Wendung, zur Auflösung, zur Erlöschung. Da wird ihm nicht also zumuthe: ›Vernichtet werde ich sein, o, zugrunde gegangen, ach! Nicht mehr werde ich sein!‹ Er ist nicht traurig, nicht gebrochen, er jammert nicht, schlägt sich nicht stöhnend die Brust, geräth nicht in Verzweiflung, Also, o Mönch, unterbleibt unverständiges Zittern aus inneren Gründen.

»Könntet ihr wohl, Mönche, ein Gut erlangen, dessen Besitz unvergänglich, beharrend, ewig, unwandelbar, ewig gleich derselbe nur bliebe? Kennt ihr, Mönche, ein solches Gut?«

»Gewiss nicht, o Herr!«