»Da erwirkt, Udāyī, der Mönch nach Verwerfung der Freuden und Leiden, nach Vernichtung des einstigen Frohsinns und Trübsinns die Weihe der leidlosen, freudlosen, gleichmüthig einsichtigen vollkommenen Reine, die vierte Schauung. Und so da Geister sich vollkommen wohl befinden, geht er sie an und pflegt Rede und Rath mit ihnen, insofern hat man, Udāyī, vollkommenes Wohlsein erreicht.«

»Und gewiss, o Herr, führen die Mönche um dieses vollkommene Wohlsein zu erreichen das Asketenleben beim Erhabenen?«

»Nicht doch, Udāyī, um dieses vollkommene Wohlsein zu erreichen führen die Mönche bei mir das Asketenleben; es giebt, Udāyī, noch andere Dinge, die besser und vorzüglicher sind, um deren Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.«

»Was sind das aber, o Herr, für bessere und vorzüglichere Dinge, um deren Erreichung die Mönche das Asketenleben beim Erhabenen führen?«

{362} »Da weilt[128], Udāyī, der Mönch solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, und richtet das Gemüth auf die erinnernde Erkenntniss früherer Daseinsformen. Er erinnert sich an manche verschiedene frühere Daseinsform, als wie an ein Leben, dann an zwei Leben, und so weiter, mit je den eigenthümlichen Merkmalen, mit je den eigenartigen Beziehungen. Das aber ist, Udāyī, ein besseres und vorzüglicheres Ding, um dessen Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss des Verschwindens-Erscheinens der Wesen. Mit dem himmlischen Auge, dem geläuterten, über menschliche Gränzen hinausreichenden, kann er die Wesen dahinschwinden und wiedererscheinen sehn, gemeine und edle, schöne und unschöne, glückliche und unglückliche, er kann erkennen wie die Wesen je nach den Thaten wiederkehren. Das aber ist, Udāyī, ein besseres und vorzüglicheres Ding, um dessen Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.

»Solchen Gemüthes, innig, geläutert, gesäubert, gediegen, {363} schlackengeklärt, geschmeidig, biegsam, fest, unversehrbar, richtet er das Gemüth auf die Erkenntniss der Wahnversiegung. ›Das ist das Leiden‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Leidensauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Leidensauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der Wahn‹ erkennt er der der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnentwicklung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist die Wahnauflösung‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. ›Das ist der zur Wahnauflösung führende Pfad‹ erkennt er der Wahrheit gemäß. Also erkennend, also sehend wird da sein Gemüth erlöst vom Wunscheswahn, erlöst vom Daseinswahn, erlöst vom Nichtwissenswahn. ›Im Erlösten ist die Erlösung‹, diese Erkenntniss geht auf. ›Versiegt ist die Geburt, vollendet das Asketenthum, gewirkt das Werk, nicht mehr ist diese Welt‹ versteht er da. Das ist, Udāyī, ein besseres und vorzüglicheres Ding, um dessen Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.

»Das sind, Udāyī, die besseren und vorzüglicheren Dinge, um deren Erreichung die Mönche bei mir das Asketenleben führen.«

Nach diesen Worten wandte sich Sakuludāyī der Pilger also an den Erhabenen:

»Vortrefflich, o Herr, vortrefflich, o Herr! Gleichwie etwa, o Herr, als ob man Umgestürztes aufstellte, oder Verdecktes enthüllte, oder Verirrten den Weg wiese, oder Licht in die Finsterniss brächte: ›Wer Augen hat wird die Dinge sehn‹: ebenso auch hat der Erhabene die Lehre gar vielfach gezeigt. Und so nehm’ ich, o Herr, beim Erhabenen Zuflucht, bei der Lehre und bei der Jüngerschaft: {364} möge mir, o Herr, der Erhabene Aufnahme gewähren, die Ordensweihe ertheilen!«