Und, gleich wie gute Saat dem Boden rasch entkeimet,
Wenn Gott sie schützet, fröhlich grünt und blüht,
So auch gediehen unter Elsbeths Pflege
Die Mägdlein fein an Liebreiz und Gemüth;
In Kunst und Wissen, sittig frommem Wesen,
Sich selbst zur Ehre, wie auch St. Agnesen.
Da ging es nicht gar lang, bis von der Burgern Frauen
So manche, die auch Mägdlein eigen nannt’,
Weil noch der Stadt für sie die Schule fehlte,
Nach kurzem Sinnen sich an Elsbeth wandt’,
Und diese baten, jenen doch zu lehren,
Was selbst zu wissen leider sie entbehren.
Die Milde that es gerne. Doch, wenn sich die Schwestern
Nur freuten, daß des Klosters Hab und Gut
Auf solche Weise zunahm, sah sie selber
In all’ den Pfleglingen, die man zur Hut
Ihr anvertraute, einen reichen Garten
Voll zarter Pflänzlein, ihnen fein zu warten.
Der lieben Mühe Sold war wiederum die Liebe,
Die treulich jedes Herz der kleinen Schaar
Mit Zinseszinsen ihrem Liebling zahlte,
So daß der Guten bald zu Muthe war,
Als hätte ihr der Himmel schon hienieden
Die Wonnen süßer Seligkeit beschieden. —
Es wuchs denn auch im Lauf der Zeit die Zahl der Mägdlein,
Bis daß im Stift sich eine Schule schuf,
In welcher Elsbeth, auch noch als Aebtissin,
Voll Freuden ihrem köstlichen Beruf
Sich widmete, mit Liebe stets beflissen
Zu mehren ihrer Schüler Zucht und Wissen. —
Schaffhausens Chronikschreiber haben, wohl zum Lobe,
Das „Gotteli von Küssaberg” genannt;
Doch wer ihn ihr verliehn den trauten Namen,
Der noch im Kletgau überall bekannt,
Das wird dem Leser nun von selber kommen:
Es gab ihn süßer Kindermund der Frommen!
* * *
Wo sanft die Gute ruht von ihrem edeln Wirken,
Kein Krenzlein oder Grabstein weis’t den Ort;
Wär’ auch ganz ungereimt, darnach zu suchen,
Denn länger lebt im Wort des Liedes fort,
Was sich im Leben treu und ächt erwiesen,
Als was — in Gold auf Marmorstein gepriesen.