Die feuchten Augen wischend, währte es fast lange,
Eh’ sich der Stolze nach und nach besann
Und, jähen Scheidens bitter Weh verwindend,
Gedrückten Sinns verließ des Stiftes Bann,
Um nun den Freunden sein vor allen Dingen,
Wie’s um die Mägdlein stand, Bericht zu bringen.
Daß jedoch in der Kust’rin ihm die Maid begegnet’,
Die seiner Liebe einzig Sehnen war,
Verschwieg der arg getäuschte Ritter freilich
Den Freunden gegenüber, ganz und gar,
Da, sich die Holde wieder zu erringen,
Er seine letzte Hoffnung sah zerrinnen. — —
Als nächsten Tages, wieder um dieselbe Stunde,
Herr Kuonrad sich im Stifte melden ließ,
War’s, statt der Kusterin, die Ob’rin selber,
Die, unpaß zwar, ihn nun willkommen hieß,
Um Nachsicht bat, daß Alter und Gebrechen,
Sie nicht schon gestern ließen mit ihm sprechen.
Dann, auf die Mägdlein kommend, war auch sie der Meinung,
Es thue Noth, die beiden zu erziehn,
Erwähnte auch, wie ihr der Propst gerathen,
Des Klosters Armuth und wies darauf hin,
Daß schon im Rückblick auf sothane Nöthen,
Die Schwestern gern den Kindlein Obdach böten.
Herr Kuonrad merkte sich’s; denn als nun doch die Dame
Allendlich schwieg, erbot er sich, dem Stift
Den Nießbrauch eines Hofs mit Vieh und Fabel,
Sammt Rebgelände, Aeckern, Wald und Trift’,
Auf doppelt so viel Jahre zu verleihen,
Als seine Kinder zu St. Agnes seien.
Die Ob’rin war’s zufrieden; aber nicht er selber,
Der, in der Hoffnung, Elsbeth noch zu sehn,
Zum Abschied seine Mägdlein grüßen wollte,
Doch nur den Rath erhielt, fein abzustehn
Und lieber ohne Gruß sich zu empfehlen,
Als Trauer damit schaffen ihren Seelen.
Da sie darauf bestand, so fügte er sich endlich
Und schied vom Orte, der sein Liebstes barg,
Mit schwerem Herzen, all’ sein Hoffen bettend
Zu ew’gem Schlummer in der Seele Sarg;
Noch dabei froh, daß doch der Trost geblieben,
In guter Hand zu wissen seine Lieben.
So war es auch. Voll hoher Freude, daß der Himmel
Doch ihrem Wunsch Erfüllung noch bescheert’;
Was sie ersehnt’, in trüben Augenblicken
Lieböden Daseins, nun dem Herz gewährt,
Hielt Elsbeth treulich, was sie ihm versprochen,
Der, sich zum Schaden, ihr die Treu’ gebrochen.
Wohl rief ihr anfangs oft, beim Anblick seiner Kinder,
Erinn’rung schlummernde Gedanken wach,
Die sie gestorben glaubte, malte Bilder
Verlornen Glückes ihr; doch nach und nach
Verscheuchten Sorgen um das Wohl der Kleinen
Jed’ ander Denken aus dem Sinn der Reinen.
Stets frohen Muthes waltete sie all’ der Pflichten,
Die wohl nur Mutterliebe sonst sich wählt;
Gab’s mal zu rügen die oftmals zu Losen,
War bloß der Mund es, der sie schmält’,
Mit mildem Worte wußt’ das Herz zu rühren,
Statt scharf und streng das Regiment zu führen.