Doch es kam anders, als der Glückliche sich träumte,
Denn, als die Kusterin, an jeder Hand
Der Mägdlein ein’s, sich auch erhoben hatte
Und, hold den Sonnenblick ihm zugewandt,
Die Bitte that, die Kindlein ihr zu lassen,
So wollte dies der Eitle noch nicht fassen.
Im Wahne, Elsbeth lasse doch noch sich bereden,
Bat er, — nicht darauf achtend, welche Qual
Ihr sein erneutes Werben machte — leise
Die Milde, ihm zu folgen als Gemahl;
Indessen wie demüthig er auch flehte —
Es galt zu ernten, was sein Treubruch sä’te.
„Herr!” war die Antwort „laßt mich dem, dem ich geschworen!
Mein Loos ist schöner, als Ihr ahnen könnt;
Denn, freudig fühlt es meine Seele heute,
Es ward von Gott das Höchste mir gegönnt,
Was er an Seligkeit nur konnte geben:
Es ist das Glück — für andrer Wohl zu leben!”
„Wie einst der Herre hieß die Kindlein zu sich kommen,
Will Eure Mägdlein gern ich nehmen an
In seinem Namen. Ich will für sie sorgen,
Gleich treuer Mutter sie im Herzen ha’n;
Auch, was ich weiß, ’s ist nicht viel, beiden lehren
Zu ihrem Nutz und Sankt Agnesen Ehren!” —
Gerührt von so viel Großmuth und doch nicht zufrieden
Kam zu der Reue nun auch noch die Scham,
Dem Ritter, daß er die einst täuschen konnte,
Die jetzt so edel ihm entgegen kam;
Ja, statt, wie er verdiente, ihn zu hassen,
Gar darum bat, die Kindlein ihr zu lassen.
Doch während er noch sann, ihr Dank dafür zu sagen,
Nahm Elsbeth schon das Schwesternpaar zum Ziel,
Versprach den Mägdlein, wenn sie bei ihr bleiben,
Zu Scherz und Kurzweil schöne Hel’gen viel;
Auch wollte sie die Leckermäulchen laben
Mit Nonnenkräpflein, süß wie Honigwaben.
Da glänzten denn gar froh vier blaue Kinderäuglein,
Als wenn man helle Sternlein blitzen sah!
Es blieb kein Zweifel, beide waren willig;
Denn wie aus einem Munde klang ihr „Ja!”
Auf Elsbeths freundlich wiederholte Frage:
Ob hier zu bleiben ihnen es behage?
Erfreut von solcher Antwort, wandte sich die Gute
Herrn Kuonrad zu und bat, wie’s schien in Hast,
Weil doch der Kleinen Sinn noch ändern könnte:
„Herr, lasset mir die Lieben hier zu Gast
Bis morgen; trau’n, sie sollen nichts vermissen,
Da wir Bescheid so braven Mägdleins wissen!”
„Euch jedoch bitte ich dann morgen her zu kommen
Und nach zu schau’n, wie es den Holden geht.
Wenn noch sie Willens sind, bei uns zu bleiben,
Eu’r Einverständniß vorgesehn! so steht
Ja nichts im Wege, drüber zu verhandeln,
Wie wir, zum Heile ihnen, weiter wandeln.”
Und nun ermahnte sie die Mägdlein, fein vom Vater
„B’hüet Gott!” zu nehmen, bis zum nächsten Tag,
Indeß’ auch sie zum Abschied sich verneigte.
Der Ritter aber stand, schier wie vom Schlag
Getroffen, als, die Mägdlein ihr zur Seiten,
Sein Blick die Edle sah zum Ausgang schreiten.