Ihm selbst, dem eben es zu Muthe noch gewesen,
Wie einem der verurtheilt war zum Tod,
Erschienen nun zur rechten Zeit die beiden;
Sie sollten ihm jetzt helfen aus der Noth,
In welche ihn sein Minnewerben brachte,
Als er an sich, statt an die Seinen dachte.

Der Mägdlein Hände fassend, war er rasch besonnen
Und sank, eh’ noch die Kust’rin wehren konnt’,
Mit den Verwunderten ihr schnell zu Füßen,
Wohl hoffend, daß der Unschuld es vergonnt,
Was ihm, trotz allem Flehn nicht mocht’ gelingen,
Durch ihre stumme Sprache zu erringen.

„Gewähret wenigstens den Kindlein hier Erbarmen —”
So hörte leise man den Stolzen flehn,
„Und laßt die Mutterlosen nicht entgelten,
Welch’ schwerer Schuld der Vater sich versehn!
Gott wird Euch dafür lohnen, was den Kleinen
Ihr Gutes thut, und sind es gleich die Meinen.” —

Er kam nicht weiter; denn was jetzt sein Blick erschaute,
Es bot Gewährung deß’, was er begehrt’.
Voll milder Anmuth neigte Elsbeth freundlich,
Das Antlitz einem Engel gleich verklärt,
Sich zu den Mägdlein nieder, traut sie grüßend
Und frischen Munds die rothen Wänglein küssend.

Ein liebefroher Bild ließ sich, fürwahr! nicht malen,
Als es die Gruppe hier im Saale war:
In süßem Selbstvergessen knie’te Elsbeth
Froh bei den Schüchternen und strich das Haar
Aus Stirn und Wangen ihnen mit den Händen,
Um stets auf’s Neue Gruß und Kuß zu spenden.

Der Kleinen Schüchternheit verschwand dann auch zusehends,
Wie wenn durch Nebel sich die Sonne brach,
Und machte Platz ergötzlichem Verwundern,
Das, großen Blickes, aus den Aeuglein sprach,
Die Mäulchen roth nicht länger mehr ließ zaudern
Mit dieser Huldgestalt vertraut zu plaudern.

Sie selber sah, ein selig Lächeln auf den Lippen,
Zu Theil geworden ihr, was sie ersehnt’,
Sah mit der Liebe treugemeinten Blicken,
Auf’s Schwesternpaar, an ihre Brust gelehnt,
Und glich dem Baum, umringt von jungen Schossen,
Die, auch in Blüthe, aus der Erde sprossen.

Herr Kuonrad aber hatte langsam sich erhoben;
Er stand, die feuchten Blicke unverwandt
Auf Elsbeth heftend, in ein Glück versunken,
Wie schöner er bis jetzt dies nicht gekannt.
Was er ersehnte sich in manchen Stunden,
Hier war es unverhofft und reich gefunden.

Was Wunsch und Sorge ihm, auf Flügeln schien’s entflohen;
Er selbst entrückt in ein ihm fremd Gefild,
Da Menschenglück und sel’ger Herzensfrieden
Nicht länger sehnender Gedanken Bild.
Nein, sichtbarlich vor seinem Blick enthüllte
Das Glück sich, wie es längst sein Herz erfüllte. —