Es war ein Wahn. Zwar, hingerissen vom Empfinden
Bestürmender Gefühle Allgewalt,
Schien Elsbeths Pflichtbewußtsein leis zu wanken,
Als, flüchtig, jetzt ihr Blick dem Manne galt,
Der vor ihr auf des Saales Fliesen knie’te,
In Demuth harrend, was nun sie ihm biete. —

In sich verloren und voll sel’ger Lust erschauernd,
Daß tiefe Glut ihr aus den Augen strahlt’,
Stand Elsbeth schweigend, während ihre Seele
Geschäftig sich das Glück der Liebe malt’
In lichten Farben und so lenzeshelle,
Wie’s nur vermag erregten Herzens Welle.

Doch rasch versank das Bild. Todtbitt’re Wehmuth füllte
Der Armen Herz, nun die Besinnung kam,
Welch’ weite Kluft sie von dem Manne trenne,
Der eine Liebe jetzt in Anspruch nahm,
Die, seit dem Himmel Treue sie geschworen,
Doch wohl ihr Recht auf irdisch Glück verloren.

Nun galt kein Zaudern mehr, sie mußte überwinden
Und dem gehören, der ihr Trost gesandt,
Als jäh des Herzens holder Liebesfrühling,
Kaum recht erblüht, ein traurig Ende fand.
Gott soll auch fernerhin ihr Wirken bleiben,
Aus seinem Hause keine Macht sie treiben.

Im Rahmen dort das Bild, es schien ihr Kraft zu spenden,
Erinnernd gleich auch, daß sie längst vergaß,
Was Pflicht und Regel ihr zu thun gebieten,
Wenn sündhaft ein Gedanke sich vermaß,
Die Gottgeweihte Seele ihr zu meistern,
Für irdisch Glück sich heimlich zu begeistern. —

„Herr Ritter!” klang es strengsten Tones zu Herrn Kuonrad,
„Vor unserm Orte ist man nicht gewohnt,
Mit Weltgeschäften sich die Zeit zu rauben;
Auch blieb ich schwerer Strafe kaum verschont,
Würd’ ruchbar werden es der Schwestern Ohren,
Was ich mir bieten ließ, der Pflicht verloren!”

„Euch hier zu sehen, hab’ ich allweg nicht vermuthet,
Und hätte mir geschwant, wer meiner harrt,
So bliebe frevler Wünsche eitel Sehnen
Mir allso vorzutragen Euch erspart.
Steht darum auf — die aber lasset gehen,
So Anderm zu begegnen sich versehen!”

Betroffen stand er auf und wollte reden; doch sie,
Die fühlte, daß es ihr an Kraft gebrach
Das Herz zu meistern, wandte sich zur Thüre,
Da scholl ein silbern Lachen durch’s Gemach
So froh, das es den Schritt ihr sogleich bannte
Und, stille stehend, sie die Blicke wandte. —

Sieh’ dort! In kind’scher Lust, die Aeuglein freudeglänzend,
Schwung durch das Fenster sich das Mägdleinpaar,
Die purpurn angehauchten Sammetwangen
Licht überwallt von goldigblondem Haar,
Das, voller Ringeln, sich der Freiheit freute,
Weil Strähl und Schapel ihm nur selten dräute.

Es war des Ritters Paar, das, müd’ des Spielens draußen,
Vergnüglich plaudernd so den Saal betrat.
Ihr Kommen mochte nun den Vater mahnen,
Daß ihretwegen er die Reise that,
Denn kaum, daß seine Augen sie ersahen,
Hieß leis ein Wink von ihm die Holden nahen;