Hei! flog auf flinkem Roß Herr Kuonrad da zu Jochen,
Von dem er bald mit Elsbeths Schäublein kehrt;
Den Ritterdienst, es fein ihr umzulegen,
Die Herrin ihm mit keinem Worte wehrt’,
Und, nun er sah den Vogt beim Kaplan reiten,
Blieb hübsch er fortan an des Fräuleins Seiten.
Bewundernd hing sein Blick an ihren feinen Formen,
Die mehr noch hob das knappe Sammetkleid;
Es däuchte ihm, als sei vor seinen Augen
Zur Jungfrau auferblüht die holde Maid,
Das traute „Elsbeth” müsse er vergessen,
Sie „Fräulein” nennen, höfisch und gemessen.
Sonst nicht gewohnt nach Worten lang zu suchen, ritt er
Jetzt schweigend neben ihrem Zelter her;
Denn was er auch der Schönen sagen wollte,
Es däuchte ihm gar schal und inhaltleer.
Mit vollem Herzen, blöde und verlegen
Ritt er zur Seite ihr dem Rhein entgegen.
Noch hatten Beide nicht ein einzig Wort gesprochen,
Als sie in Rheinheim sich beim Posthaus sahn,
Wo Benno just sich abzusteigen mühte;
Sein Roß hielt jedes mal hier selber an,
Da nie sein Herr zu Pferd das Schiff betreten,
So oft der Vogt, ihn neckend, schon gebeten.
Bald nahte Kunz, dem Vogt zu melden, daß den Fährmann
Vom andern Ufer er herüber pfiff.
Sie ritten vollends denn zum Rhein hinunter
Und hielten dort im großen Wagenschiff,
Das, als gelöst der Ferg’ die nassen Seile,
Stromaufwärts mußte eine gute Weile.
Dann rauschte es vorbei am Pfahlwerk einer Brücke,
So hier zur Zeit der Römerherrschaft stand,
Vorn an dem Schnabel sprühten grüne Wellen
Ihr perlend Naß bis hoch hinaus zum Rand;
Durch Nebeldunst sah man Gemäuer thronen,
Die „Burg,” erbaut von Roma’s Legionen.
Nun war des Fergen schwerste Arbeit überstanden,
Das Schiff flog hin gleich einem Federspiel;
Ein Ruderschlag bracht’ es dem Ufer nahe,
Ein zweiter noch, es war am sichern Ziel.
Nur Benno stand noch auf der andern Seite
Und maß im Warten sich des Stromes Breite.
Zu Rosse hoch, wie drüben sie das Schiff betreten,
Verließen es der Vogt und seine Schaar.
Die Pferde hasteten auf holperigem Pflaster,
Daß jeder Hufschlag funkensprühend war,
Bergan, und als der steile Weg erstiegen,
Sah hell im Sonnenschein man Zurzach liegen. —
Die Sonne hat gesiegt; der Nebel mußte weichen,
Im nahen Rheine ging er still zu Grab.
Von grüner Höhe drüben grüßten schimmernd
Die weißen Zinnen Küssabergs herab;
In klarer Herbstluft mocht’ das Auge schwelgen
Auf längst bebauten, schön gelegnen Zelgen.
Der Vorsicht halber ritt die Truppe jetzt im Schritte,
Denn nah dem Flecken war die Straße voll
Von Pilgern, die zum Vrenenstifte wallten,
Der Heil’gen bringend frommer Andacht Zoll;
Dann auch von Leuten, die, aus fernen Landen,
Geschäften wegen sich zur „Messe” fanden.