Zum Schluß kam Jochen, der, ein Packpferd noch am Zügel,
Dicht hinter Benno und dem Junker ritt.
Sein eigensinnig Rößlein wollte traben,
Da doch nur Schritt der steile Bergweg litt;
Ein Ruck am Zügel und der Peitsche Schwingen
Verhalfen es in rechten Gang zu bringen.
Bald wurde links geschwenkt und es verschwand die Truppe
Im Nebelmeere an des Schloßbergs Wand.
Von kalten, feuchten Wolken rings umschlossen,
War’s kaum so hell, daß sie den Weg noch fand,
Der jäh nach Bechtersbohl hinunter führte,
Wo schon der Dorfvogt stand, wie sich’s gebührte.
Mit kurzem Gruße ritten sie an ihm vorüber
Dangstetten zu; auf breitem Karrenweg
Ging’s rasch in schlankem Trab thalnieder,
Bald waren sie am Kreuze bei dem Steg.
Der Nebel aber wollte noch nicht weichen,
Sie sehen nichts vom Dorf, bis sie’s erreichen.
Hier harrte ebenfalls der Dorfvogt des Gestrengen
Und brachte ihm, nach Brauch und alter Sitt’,
Das Ortsgeschenk, das man zu bieten hatte,
So oft der Schloßvogt durch die Gasse ritt:
„Dem Pferd ein Metzlin Hafer, und zwo Kannen
Voll guoten Weines für des Schlosses Mannen.”
So bringt’s die Urkund’, ist auf Pergament zu lesen. —
Weil noch es früh war, hieß des Vogtes Huld
Den Wein und Hafer auf den Abend sparen,
Wo er empfangen will des Dorfes Schuld;
Gar froh, daß heut’ der Herr nichts fand zu rügen,
Mocht’ gern der Bauer dem Bescheid sich fügen.
Nun ging es weiter zwischen strohgedeckten Hütten,
Die links und rechts an breiter Gasse stehn;
Sie lagen wie verödet in dem Nebel
Und war kein lebend Wesen nah’ zu sehn,
Da all die Bauern, fromm wie ihre Ahnen,
Nach Zurzach unterwegs mit Kreuz und Fahnen.
Bei einem Hause nur verlockt’ der Rosse Trappeln
An’s schmale Fensterlein ein bleich Gesicht,
Deß’ Eigenthümer scheu gemieden wurde;
Denn er vollzog des Blutbanns streng Gericht.
’s war Meister Jakob, der das Fest mußt’ meiden,
Wollt er nicht andern den Genuß verleiden.
Den Herrn erschauend wandte er sich weg vom Fenster
Und dabei traf sein kalter Henkerblick
Das breite Richtschwert in des Stübleins Ecke;
Sonst führte er das Schwert mit viel Geschick,
Doch, seit des Vogtherrn Urtel milde enden,
Schwang selten er es mehr in seinen Händen.
In scharfem Ritte ging’s am letzten Haus vorüber.
Der Nebel mehrte sich noch bis zum Rhein
Und hüllte Roß und Reiter immer dichter
In seinen frostig-feuchten Mantel ein.
Am Kreuzweg nahten sie geweihter Stelle,
Der alten Vierzehn-Nothhelfer-Kapelle.
Hier jedoch hemmte Elsbeth ihres Rößleins Schritte
Und wandte sich Herr Kuonrad zu, beschämt,
Daß sie der Kälte nachgab, mit der Bitte
Um’s Schäublein, das, mit Fuchspelz warm verbrämt,
In Jochens Packkorb herzlich wenig nütze,
Statt, daß es bas sie nun vor Frost beschütze.