Fast jeden Morgen wiederholt sich dieses Ringen,
Es weisen sich die Kämpen kühn die Brust.
Bald schießt die Sonne Strahlen in die Thäler,
Bald wieder stockt’s von weißem Nebeldust;
Meist bleibt, wer Sieger, lange unentschieden,
Denn Sonn’ und Nebel schließen ungern Frieden. —

Es war Sanct Vrenen Tag, als Frühe schon im Zwingolf
Zum Aufbruch fertig standen Roß und Troß.
Sie feierten die Heilige in Zurzach,
Da durfte fehlen nicht der Vogt vom Schloß,
Und da ihn Elsbeth und Benno begleiten,
War auch Herr Kuonrad einig mitzureiten.

Nun standen plaudernd längst die Knechte bei den Pferden,
Die, ungeduldig scharrend mit dem Huf,
Schier neidisch auf des Fräuleins Zelter blickten.
Es war ein Schimmel. Stolz auf den Beruf,
Des Schlosses Herrin hie und da zu tragen,
Mocht’ ihn die Ungeduld am meisten plagen.

Jetzt regte sich’s auch in der Windberg’ überm Thore.
Dort ließen Haus und Xaver alsgemach
Die Brücke auf den Grabenpfeiler nieder,
Indeß’ der Erstere zum Letztern sprach:
’s ist gar nit koumli, heut in’s Thal zu fahren,
Der Nebel läßt ja kaum den Weg gewahren!”

„Laß’ nur den Nebel, Bueb! Der ist am Berg von Nöthen;
Er ist der Traubenkocher, der schafft Saft!”
Gab Xaver rauh zurück, sich kurz verschnaufend,
Denn an der Winde galt es Manneskraft,
„Bei Euch im Schwarzwald mag er minder taugen,
Doch dafür könnt Ihr auch an Schlehen saugen!”

„Drum ist mir hier der Wein um desto lieber, Vehrli!”
Sprach, neckisch lachend, Hans zum ältern Knecht.
Der aber brummte: „So ’ne Wäldergurgel
Find’t stets das Beste grade für sich recht;
Wär’ ich der Vogt hier, müßten solche Laffen
Mir jeden Gottestag im Rebberg schaffen.”

Als Hans den derben Worten jetzt entgegnen wollte,
Da polterte es von der Brücke her,
Schnell traten beide drum zur nächsten Luke,
Von der man übersah des Schlosses Wehr.
’s war Kunz, der, mit dem Pferd schon überm Graben,
Wie immer, mußte vor dem Vogte traben.

Bald folgte dieser selbst. Zur Seite ritt die Tochter,
Des Zelters Zügel in der zarten Hand.
Es schmiegte sich um Elsbeths schlanke Formen
Ein enganschließend, schwarzes Sammtgewand;
Den Hals umkräuselten schlohweiße Spitzen,
Die, steifgedollt, im Strahl der Sonne glitzen.

Des Haares krause Wellen hielt ein Netz gefangen,
Daß nicht entrolle sich die goldne Flut;
Zwei weiße Straußenfedern wogten prangend
Am, ebenfalls schwarzsammtnen, kleinen Hut,
Der leicht beschattete die feinen Züge,
Doch auch sie sehen ließ noch zur Genüge.

Auf schmucken Rappen folgten Benno und der Junker.
Die beiden ritten friedlich Seit’ an Seit’,
Denn da der fromme Herr ein schwacher Reiter,
Bat er den Hausgenossen zum Geleit;
Der wär’ zwar lieber mit dem Vogt geritten,
Fügt aber artig sich des Kaplans Bitten.