Gott grüß’ Dich, feiner Augentrost,
Vielschöne Maid im Walde!
Nach Deiner minniglichen Kost
Sehn’ ich mich nur zu balde.
Wer immer Dich sein eigen nennt,
Dem brennt ein Feu’r im Herzen;
Macht, daß er keine Jahrzeit kennt
Und thaut, wie Schnee im Märzen!

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Was ist es, dessen sich freuen soll
Am ersten ein guter Zecher,
Wenn ihm die Maid einen Humpen voll
Mit Wein reicht, dem Sorgenbrecher!
Ist es das Naß in der Kanne klar,
Hellperlendes Blut der Reben?
Ist es der Maid frisch Lippenpaar,
Nach denen geht sein Streben?
Ich acht’ wohl fein, vieledle Herrn,
Das braucht’s nicht lang zu rathen;
Ein Jeder tröst’ sich Beider gern,
Vom Spielmann bis Prälaten!

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Mein Mägdlein trägt ein Camisol
Mit einem Purpursaume;
Nun gute Nacht und schlafet wohl,
Und denket mein im Traume!

Viertes Kapitel.

Ein Meer von Nebelwolken füllte rings die Thäler,
Nur leis bewegt vom lauen Hauch des Föhn.
Aus Silberwogen ragten, Inseln ähnlich,
Der nahen Berge dunkelgrüne Höhn;
Sie ruhten grüßend schon im Sonnenstrahle,
Indeß’ noch dichter Nebel lag im Thale.

Das Auf- und Niederschwanken all’ der Nebelmassen
Glich scharfem Stechen, wildempörtem Streit,
Denn kämpfend rang die Sonne mit dem Nebel,
Doch der wich kaum um eine Spanne breit;
Schien an der Halde er auf’s Haupt geschlagen,
Sah dafür jenseits man ihn berghoch ragen.