Als er geendet, dankte ihm Herr Kuonrad fröhlich,
Denn der war ob der Botschaft hoch erfreut;
Sie brachte Wechsel in das stille Leben,
Das auf dem Berge er geführt bis heut’,
Und sah er drum dem Mahle gern entgegen.
Nicht ganz so leicht ließ Elsbeth sich bewegen.
Das Köpflein senkend, sah sie sinnend vor sich nieder,
Mit tiefem Ernst im lieblichen Gesicht.
Ihr war, als sollt’ dem Mahl sie ferne bleiben,
Das Warum? wußte selbst sie jedoch nicht;
Doch, stets gewohnt des Vaters Wort zu ehren,
Versuchte nicht sie seinem Wunsch zu wehren.
Sie sann noch immer, als die schmucke Rosenwirthin,
Den Imbiß bringend, in das Stüblein trat
Und, weil es lang gedauert bis der fertig,
Die Gäste höflich um Verzeihung bat:
Es sei viel Arbeit heut’ in allen Ecken,
Und sie gewohnt, den Gästen selbst zu decken.
Da fiel ihr Blick auf Elsbeth und, die Maid bewundernd,
Pries sie dem Vogt der Tochter Schönheit hoch,
So daß die, schämig drob, die Lider senkte
Und froh war, als die Wirthin schließlich doch
Sich eifrig an dem Tisch zu schaffen machte;
Dort alles rein und nett in Ordnung brachte.
Ein groß Stück Rheinlachs neben leckeren Forellen,
Im Maul der letztern prangte frisches Grün,
Und dazu Wein, von Badens „Goldwand” stammend,
Verlockten bald zu einem Angriff kühn;
Es mochte auch der weite Ritt am Morgen
Für guten Appetit der Dreie sorgen.
Als Würze kam zum Mahl der Wirthin harmlos Plaudern,
Das stets vom Vogt auf’s neue ward geweckt;
Sie bat dazwischen, tapfer zuzugreifen,
Da es sie freue, wenn’s den Gästen schmeckt.
Die Herren thaten denn auch so; indessen
Das Fräulein lieber lauschte, statt zu essen.
Die Redesel’ge wurde endlich müde, oder
Der Stoff versiegte ihrem rothen Mund;
Denn sie empfahl sich mit dem schlauen Vorwand:
Am Buffert stecke noch das Schlüsselbund,
So abzuziehen vorhin sie versehen —
Und nun konnt’ Elsbeth auch an’s Essen gehen.
Als sie zu Ende, gönnten sich die Drei am Tische
Noch etwas Ruhe, unter Plaudern zwar,
Eh’ es hinaus ging in des Marktes Treiben,
Wo heute manches einzukaufen war.
Die Wirthschaft braucht gar viel im Lauf des Jahres,
Nun lacht der Krämer, bringst Du Geld ihm, baares.
Auch Jochen und sein Packpferd mußten mit zum Markte;
Denn was die Herrschaft kauft, er lädt es auf.
Bald standen sie im dichtesten Gedränge,
Doch dabei ward geschlossen mancher Kauf;
Es ruhten Zindal, Palmat, feines Saben,
Schon tief in Jochens Packkörben vergraben.
Zum Kulterüberzuge für des Vaters Lehnstuhl
Gab Elsbeth heimlich noch ihr Spargeld her;
Indeß Herr Heinz still bei sich überlegte,
Was wohl dem Töchterlein zu kaufen wär’;
Herr Kuonrad aber schlich sich unterdessen
Von ihnen weg, den Marktplatz zu durchmessen.