Auch Elsbeth zog es hin; inmitten frommer Waller
Stieg bald ihr Flehn zur Heiligen empor.
Um was? Nur diese mochte es erlauschen,
Denn kaum ein Flüstern nur vernahm das Ohr;
Doch tief sah man die Betende sich neigen
In heißem Flehen, ganz der Andacht eigen.

Ein milder Glanz verklärte hold das schöne Antlitz,
Als sie sich endlich vom Gebet erhob;
Die Sonnenaugen schienen Glück zu strahlen,
In das sich Seligkeit und Wonne wob,
Und unschwer war der Frommen anzusehen,
Daß sie erhöret wähnt des Herzens Flehen.

Still kehrte sie zurück durch’s Grabkapellenpförtchen,
Wo ihr Begleiter traumverloren stand.
Bis dorthin folgte vorhin er der Herrin
Und lehnte, ihrer harrend, an der Wand;
Doch, nun den Arm der Holden er wollt’ reichen,
Wußt’ Elsbeth sittig diesem auszuweichen.

„’s ziemt nicht, im Hause Gottes eitlen Brauch zu pflegen!”
Verwies sie flüsternd zu ihm hingewandt,
„Doch wollt Ihr später Euch gefällig zeigen,
So mögt ihr mich begleiten nach der Hand;
Hab’ manchen Auftrag für den Markt bekommen,
Und Euer Schutz wird im Gewühl mir frommen!”

Schon standen Beide da auch vor der Kirche draußen,
Wo nun Herr Kuonrad doch die Frage wagt’,
Ob Elsbeth im Gebet auch sein gedachte?
Sie gab zur Antwort darauf unverzagt:
„Gott will ja, daß wir für einander beten,
So oft wir stehend vor sein Antlitz treten!”

Dann bat sie lächelnd: „Laßt uns nach der Herberg gehen
Und sehen, ob ein Imbiß fertig steht.
Wie schon ich sagte, bleibt mir viel zu schaffen,
Eh’ es am Nachmittag zur Vesper geht;
Muß ja, soll mir die Meßfahrt bas gelingen,
Für Jedes einen Kram nach Hause bringen.”

Bei diesen Worten legte Elsbeth leicht die Linke
In den vom Junker ihr gebot’nen Arm,
Die Rechte aber hob des Kleides Schleppe,
Daß nicht sie hindere im Menschenschwarm;
Denn Kreuz und Quer galt es sich durchzuwinden,
Bis in der „Rosen” sie den Vater finden. —

Kurz vor den Beiden war der Vogt dort eingetroffen;
Nun saß am Tisch er, ihrer harrend, da.
Die hellen Augen blinzelten gar freundlich,
Als er die Zwei in’s Stüblein treten sah
Und, ihren Gruß erwiedernd, rief er heiter:
„Da kommen ja die längst vermißten Reiter!”

Als drauf sie ihm zur Seite Platz genommen hatten,
Erzählte ihnen sein gespräch’ger Mund,
Daß zu dem Mahle, so das Stift alljährlich
Am Vrenentage, nach der Vesperstund’
Bewährten Freunden biete, Seine Gnaden,
Der Propst, auch sie gar freundlich eingeladen.

„Da hab’ ich,” sprach er lächelnd, „nun versprechen müssen,
Der Einladung zu folgen, die uns ehrt.
Wir werden zwischen Sankt Verenens Gästen
Auch etlich’ Freunde treffen, lieb und werth,
So sich mit uns in Ehren bas erfreuen;
Die alte Freundschaft wiederum erneuen!”