Ohn’ weitern Unfall war das Paar bald in dem Flecken,
Deß’ Häuser, meist mit buntem Schild geschmückt,
Den Fremden gastlich sich zum Obdach boten
Und oft den Wählenden die Wahl bedrückt’;
Doch, ob im Flecken unten oder oben,
Sie waren überall gut aufgehoben. —

Wie heute noch, bewohnte damals schon ein bieder,
Gemüthlich Völklein Zurzachs Häuserreihn.
Die Bürger, freundlich und von schlichtem Wesen,
Vermieden gerne jeden Trug und Schein,
Und waren, um der Reinheit ihrer Sitten,
Rheinauf und ab bei allen wohlgelitten.

Bedrängte Nachbarn fanden hier noch Rath und Hülfe
Wenn anderwärts die Thür verschlossen stand.
Im Stift die Chorherrn und des Fleckens Aerzte,
Sie waren stets für Seel’ und Leib zur Hand;
Auch, nahte sich Sanct Martinus mit Grinsen,
Fand hier der Landmann Geld zu ringen Zinsen. —

Jetzt war es stille in den Gassen, da die Hallen,
Oft übervoll von fremder Kaufherrn Gut,
Verschlossen standen bis zum Schluß des Hochamts,
Den jedesmal ein Glöcklein künden thut.
Nur selten sah man, längs der Häuser Zeilen,
Noch da und dort Jemand zur Kirche eilen.

In sachtem Schritte ritten Elsbeth und Herr Kuonrad,
Daß nicht der Hufschlag allzu störend hallt’,
Der Kirche zu, aus deren offnen Pforten
Schon Meßgesang und Orgelton erschallt’;
Dem Eingang unfern lauschte Kunz dem Singen,
Bis er die Pferde konnt’ zur Herberg bringen.

Nun half der Junker ihr vom Zelter und es traten
Die Beiden, sich bekreuz’gend, in den Dom,
Wo, nicht gar fern, der Vogt in Andacht knieete,
Zur Seite seines Bruders, Elsbeths Ohm;
In Klingnau Pfarrherr und auch wohl gelitten,
Kam er heut frühe schon zum Fest geritten.

Herr Kuonrad, frommen Brauches kundig, trat zum Becken,
In welchem sich geweihtes Wasser fand;
Die Finger netzend, reichte draus er höfisch
Auch etlich’ Tröpflein der Begleitrin Hand,
Und Elsbeth nahm’s mit stummem Dank entgegen.
Dann knieeten beide bis zum letzten Segen. —

Das Ite, missa est des Hochamts war gesungen,
Verklungen auch der Orgel letzter Hauch;
In Wolken wogte zur bemalten Decke
Der Duft vom dichtentfachten Opferrauch
Und, Fluten gleichend, strömte laut die Menge
Hinaus zum Tempel durch der Pforten Enge.

Nur wem ein stiller Wunsch die Seele noch erfüllte,
Wer sich gelobt, in Freude oder Schmerz,
Zu knieen an dem Grabe Sankt Verenens
Und auszuschütten da sein volles Herz,
Der schritt jetzt leise zu des Chores Pforte,
Die ihm den Weg erschloß zum Gnadenorte.

In breitgewölbter Krypta schlummert dort die Jungfrau
Im Sarg, den frommer Glaube überbaut’;
Das Gitter, so die stille Gruft umfriedet,
Wohl manch bedrängtes Herz hat es geschaut.
Ein steinern Bildniß zeigt die Wundersame,
Das Krüglein in den Händen sammt dem Kamme.