Es kamen auch die Nachbarn, Heiner, vom Schloß Rötteln,
Den Elsbeth öfter schon beim Vater sah;
Der Freiherr von Schwarz-Wasserstelz im Rheine,
War mit Gemahlin und der Tochter da,
Und endlich noch trat mitten aus dem Schwarme,
Des Schlosses Kaplan mit dem Ohm am Arme.
Beim Wiedersehen ihrer beiden alten Freunde,
Ward es in Elsbeths Herzen mälig leicht;
Ihr frischer Liebreiz und anmuthig Wesen
Hätt’ einer Königin zur Ehr’ gereicht,
Bald ruhten aller Augen mit Gefallen.
Auf ihr, so hier die Schönste war von Allen.
Wie zu der Rose hin die Falter ziehen, zog es
Die Herren zu der wunderschönen Maid;
Es sprachen von der „Küssaberger Blume”
Die Damen, wohl nicht ohne leisen Neid.
Sie aber, nun den Oheim sie gesehen,
Bat ihren Vater, mit zu ihm zu gehen.
Der Ohm erkannte sie nicht gleich, es war schon lange
Seit er zum letzten Mal sein Niftel sah.
Das Kindlein, so er auf dem Kniee geschaukelt,
Wär’ vor ihm die vielschöne Jungfrau da?
Doch jeder Zweifel mußte ihm vergehen,
Er sah ja seinen Bruder bei ihr stehen.
Auch rief ihr herzig Plaudern jetzt dem alten Herren,
Die längst verwichnen Zeiten schnell zurück.
Hei! wie erstrahlten, als er ihrer dachte,
Die schönen Augen Elsbeths voller Glück.
Er mußte wieder sie „traut Else” nennen,
Eh’ will sie heut’ sich nicht mehr von ihm trennen.
Der Ohm that’s lächelnd. Dann begleitete er Beide
Zum Stiftspropst hin, der schon im Saale war,
Nicht wenig stolz sein Niftel präsentirend;
Der reichte gnädig eine Hand ihr dar
Und schmunzelte, als Elsbeth, sich verneigend,
Dieselbe küßte, ihre Ehrfurcht zeigend.
Gern überließ der Vogt die Tochter nun dem Bruder
Und sah sich um, wo denn Herr Kuonrad blieb;
Der war hier fremd und harrte längst des Freundes,
Daß er ihn vorstell’, wie der Brauch es schrieb.
Dies that der Vogt und, weil er Viele kannte,
Wußt’ bald ein jeder, wie der Herr sich nannte.
Es hatte dabei wohl des Junkers höfisch Wesen,
Zu manchem Gönner ihm verholfen schon.
Wie immer, waren es zuerst die Damen,
Die er gewonnen durch vornehmen Ton,
Und war dies auch natürlich, da die Frauen
Vor Allem stets auf feinen Anstand schauen.
Die Freiin von Schwarz-Wasserstelz hielt bald den Junker
Gefangen sich; auch ihr hold Töchterlein,
Die braune Adelgunde ließ, nicht schüchtern,
Mit ihm sich tief in ein Geplauder ein,
In welchem sie ihn fest zu halten wußte,
Bis er mit Elsbeth jetzt zur Tafel mußte.
That es der Zufall — oder Fräulein Adelgunde?
Die gern den Junker länger hielt in Haft,
Daß sich die Freiin grade gegenüber
Des Vogtes Sippschaft einen Platz verschafft!
Es war geschehn. Doch, jetzt begann das Essen,
Für’s Erste stille und gar steif, gemessen.