Als jedoch nach dem Braten laut der Vogt von Baden,
Das erste Hoch dem Vrenenstift gebracht,
In süßem Vino d’Asti, so die Damen,
Schon damals gerne tranken, kam es sacht,
Wie Frühlingswehen, in der Gäste Reihen;
Froh mochte jeder sich dem Nachbar weihen.

Nach jedem Hoch und Heilo, das im Saal erbrauste
Auf Stift und Propst und dessen Gastfreiheit,
Erhöhte sich der Gäste munter Wesen
Und waltete gar bald Gemüthlichkeit,
Die machte, daß die Alten wie die Jungen,
Beim Mahl sich unterhielten ungezwungen.

Nur Elsbeth blieb in sich gekehrt und schweigend, bedrückt
Von Qualen, die sie nie gefühlt zuvor.
Ein heimlich Wehe nagte ihr am Herzen,
Im zarten Busen quoll es heiß empor;
Doch mochte schwerlich einer dies beachten
Von allen, die ihr einen Trunk zu brachten.

Vertieft in ihr Gespräche, schlürften Ohm und Vater
Behaglich dann und wann ein Gläslein Wein,
Bis drauf der Vogt, dem auch der Pfarrer folgte,
Sich plaudernd wandte an die Nachbarn sein;
Nicht merkend, daß, im Auge feuchtes Blinken,
Jung-Elsbeth saß, als sei ihr Muth am Sinken. —

Für Elsbeth viel zu lange, hielt der Freifrau Plaudern
Den Junker fest und, schwieg die letztre mal,
Dann wußte wieder Fräulein Adelgunde
Zu fesseln ihn mit Fragen ohne Zahl,
So daß im Stillen der sich schier beklagte,
Wenn offen er’s auch nicht zu zeigen wagte:

Er hielt denn artig aus, wie es sich ziemt bei Damen,
Für einen Mann, der gute Sitte kennt,
Und sagte ihnen, mit gewählten Worten,
Manch feines, aber höfisch Compliment,
Das, er war sicher, drang’s zu Elsbeths Ohren,
Für sie so gut wie jeden Sinn verloren.

Sie aber zwang es, wie sie sich auch drob erwehrte,
Doch immer wieder, nach dem Freund zu sehn,
Was links und rechts die Nachbarn fröhlich plaudern,
Es schuf ihr Mühe, dieses zu verstehn;
Sie sah nur ihn und hörte ihn nur sprechen,
Wollt’ auch, vor Weh, das Herz ihr drüber brechen.

Zwar winkte oft Herr Kuonrad mit dem Glas hinüber
Und trank ihr Wohlsein mit beherztem Zug;
Doch jedes Mal, wenn dann sie sprechen wollte,
Kam ihr die Freiin zuvor oder frug
Just Adelgunde etwas und — befangen,
Schwieg drauf sie wieder mit erglühten Wangen. —

O Maid, weißt Du denn nicht, daß Du im Netz verstricket,
Das, viel zu frühe, Dir Dein Herz gestellt?
Ahnst Du denn nicht, daß Dich die Macht bezwungen,
Der widerstand noch Niemand in der Welt?
Mag immerhin Dein Mund das Wort auch hehlen,
Du fühlst es dennoch auf dem Grund der Seelen.

Du fühlst im Herzen Dein der ersten Liebe Werben,
Aus Deinen Sonnenaugen schaut sie klar;
Ein süß Gefühl durchschauert Dir die Seele,
Was es bedeutet, wird Dir offenbar,
Nun, unwillkürlich, nimmst Du Dich zusammen,
Soll Keiner ahnen, daß Dein Herz in Flammen. —