Ihr Weh bezwingend, suchte Elsbeth im Gespräche,
Das zwischen Ohm und Vater neu im Gang,
Auch ab und zu ein Wörtlein mit zu reden,
Als laut ihr Glas in hellem Ton erklang
Und sie den Kaplan sah, dem nicht entgangen,
Wie immer bleicher worden ihre Wangen.
Der brave Herr, vom Weine etwas warm geworden,
Blieb eine Weile still, als sänn’ er nach;
Doch that er dies, um besser sehn zu können,
Was aus den Augen seines Lieblings sprach,
Und nun er tief in ihrem Blick gelesen,
War, schien es, klar ihm, was der Grund gewesen.
Sich an Herrn Kuonrad wendend, sprach er launig: „Junker!
Gönnt Unsereinem auch einmal das Wort!
Wie wär’s, so Ihr mit uns ein Gläslein lüpftet,
Eh’ Euch im Sprechen noch die Zunge dorrt?
Ein edel Tröpflein darf nicht lange stehen,
Soll dessen Blume nicht in Dunst verwehen!”
Mit sichtlichem Vergnügen folgte auch Herr Kuonrad
Und wandte sich zu Benno mit dem Glas,
Der leise schmunzelnd auf die Seite schaute,
Weil, etwas groß, der Freiin Blick ihn maß,
Daß er den Muth besessen, sie im Sprechen
Mit solchem Herren frech zu unterbrechen.
Doch bald sprach Benno lächelnd: „Daß Ihr uns vergessen,
Erfordert wahrlich Buße nach Gebühr;
Drum trinket Eins mit Euern Hausgenossen,
Sonst seht Euch nur bas auf den Heimweg für!”
Der Junker fügte sich dem Urtheil willig
Und that die Buße, wie es recht und billig.
Sein eigner Zutrank darauf aber galt jetzt Elsbeth.
Sie hielt ihr Kelchglas zitternd in der Hand
Und blickte schüchtern in des Freundes Antlitz,
Der, ihr zum Wohl, ein feines Sprüchlein fand.
Im Nu war all’ das Herzweh da vergangen. —
Und prangten, wie mit Rosen, ihre Wangen.
Dem Kaplan war es mittlerweile doch gelungen,
Daß er die Freifrau unterhielt beim Mahl;
Nun hielt er schlau die Plaudernde gefangen
Mit Frag’ und Antwort ohne Wahl und Qual;
Selbst, als den Freund bedrängte Adelgunde,
Hascht’ klug auch dieser er das Wort vom Munde!
Der Junker mühte sich indessen, braune Mandeln
Für Elsbeth auszuknacken als Dessert;
Derweilen sie dem Vater nun erzählte,
Daß heute schon sie fast verunglückt wär’,
So nicht Herr Kuonrad noch vorm Ungeschicke
Beschützte sie im letzten Augenblicke.
Als Elsbeth schwieg, bedankte sich der Vogt beim Freunde
Und meinte, der sei jetzt der Schuld auch bar,
Die schwer das weiche Herze ihm bedrückte,
Seit jenem Tag, als das Gewitter war;
Das Töchterlein sei nun bei ihm in Schulden
Und müsse, die zu zahlen, sich gedulden.
Dies jedoch wollte Jener nun nicht gelten lassen
Und blieb dabei, daß er in ihrer Schuld
Sein ganzes Leben lang sich fühlen werde,
Ob der an jenem Tag erwies’nen Huld;
Was er gethan, sei nimmer zu vergleichen
Und aus dem Schuldbuch als bezahlt zu streichen.