Nun war es Elsbeth wieder, die von solcher Rede
Nichts hören wollte und Herrn Kuonrad droht’,
Wenn er sich seiner Schuld nicht ledig achte,
So thue er sich selber dies zu Noth;
Er dürfe nicht mehr jenes Diensts gedenken,
Sonst würde sie es ihrer Lebtag kränken.
Bei solcherlei Geplauder war es spät geworden,
Doch achteten die Frohen nicht der Zeit,
Bis Benno, mahnend, sich zu ihnen wandte,
Zum Aufbruch rathend, denn der Weg sei weit.
Er hatte noch sein Roß in Rheinheim stehen,
Und mußte nun zu Fuß bis dorthin gehen.
So brachen sie denn auf. Doch schritten erst die Viere
Noch Abschied nehmend durch der Gäste Reihn;
Als dies geschehen, ging es hin zur „Rosen,”
Wo Kunz längst wartete der Herrschaft sein.
Daß ja der Rosse Tritte Niemand wecken,
Verließen sie in sachtem Schritt den Flecken. —
Die Nacht war hell. Des Mondes volle Scheibe glänzte
Gleich Silber an des Himmels bleichem Blau.
Wie Zauber lag es über Wald und Fluren;
Im Wiesengrüne schimmerte der Thau,
Tief unten floß der Rhein im klaren Bette
Und blinkte mit dem Mondlicht um die Wette.
Vor Rheinheims altberühmtem Posthaus hielt die Truppe,
Wo schon der Kaplan hoch zu Rosse war.
Noch ließ der Vogt geschwind zwei Kannen füllen
Und brachte Joachim, der Wirth, sie dar;
Der Schloßvogt ritt, dem „Markgräfler” zu Ehren,
Hier nie vorüber, ohne einzukehren.
Doch, nun der Wirth die Kannen nochmals füllen wollte
Da wehrte Benno, und ging’s wieder fort
In schlankem Trabe durch des Mondlichts Wellen.
Es fiel nur selten mal ein lautes Wort;
Herr Kuonrad gab jetzt Elsbeth das Geleite,
Und ritt der Kaplan an des Vogtes Seite.
Vom Weine warm und sich nach Ruhe sehnend, ritten
Die Herrn allmälig immer schneller hin,
Indessen Elsbeths und des Junkers Rößlein
Bald jede Eile unvonnöthen schien;
Sie wollten nicht von ihrer Meinung weichen,
Daß auch im Schritt die Heimath zu erreichen. —
Kein Lüftlein regte sich, kein Laut war zu vernehmen;
Es ruhten Berg und Thal in süßem Traum.
Der Weg lag weiß im Silberlicht des Mondes,
Goldschimmernd Herbstlaub schlief an Strauch und Baum;
Aus blauer Höhe nieder, blinkten ferne
Des Schlosses Lichter, gleichwie matte Sterne.
In Seligkeit verloren, weil den Freund zur Seite,
Ritt Elsbeth sinnend durch die linde Nacht.
Darf sie denn ihm von ihrer Minne flüstern,
Darf sie ihm sagen, was sie glücklich macht?
Soll sie verrathen, was ihr Herz empfindet,
Welch’ wonnig Träumen ihr die Lippen bindet?
Herrn Kuonrad war es selber auch nicht viel um’s reden.
Er ritt, die Zügel lässig in der Hand,
Zur Seite Elsbeths, seine braunen Augen
In einemfort der Holden zugewandt;
Denn, sah er in ihr Antlitz, schien ihm immer,
Als strahlte daraus her der Mondenschimmer.