Versunken in ihr Schweigen ritten still die Beiden,
Bis, wo der Weg sich abbog aus dem Thal
Und links nach Bechtersbohl zur Höhe führte;
Wo er dann rauher ward und dabei schmal
Am Abhang lief, meist zwischen dunklen Fichten,
Die, nah’ dem Schlosse erst, sich wieder lichten.

„Erzählet etwas, Fräulein!” meinte nun der Junker,
Als hier die Pferde wechselten den Gang,
Um, voller Vorsicht, auf dem Pfad zu klimmen,
Der tief im Schatten auswärts stieg am Hang.
„Wenn wir mit Sprechen Kurzweil uns bereiten,
Scheint nicht der Weg so lang, nach Haus zu reiten!”

„Ja, Ihr habt recht! Nur wird mein schlicht Erzählen
Euch kaum genügen,” gab Elsbeth zurück,
„Und müsset Ihr halt Nachsicht mit mir haben;
Mein Wissen bildet just kein großes Stück.
Doch sollt zum mindsten Ihr den Willen sehen,
Wollt später Ihr auch meiner Frage stehen!”

Herr Kuonrad sagte zu, ihr ehrlich Red’ zu geben,
Was sie auch immer von ihm fragen sollt’;
Nur müsse sie etwas aus ihrem Leben
Ihm erst erzählen, eh’ er reden wollt’.
Da ging denn Elsbeth munter an’s Erzählen;
Der lange Weg schien Keines mehr zu quälen.

Es wich ihr traulich Plaudern aber bitterm Ernste,
Als auch die Rede auf den Vater kam.
„Sein eigen,” meinte Elsbeth, „wär’ hier Alles,
So nicht der Bischof einst das Erbe nahm
Jetzt freilich würd’ selbst dieses nicht mehr nützen,
Es fehlt ein Sohn, der’s weiter möcht’ beschützen.”

„So ist der Vater denn der letzte Küssaberger
Und gehet,” fügte traurig sie hinzu,
„Mit ihm und seinen ältern beiden Brüdern,
Mein uralt Ahngeschlecht zur letzten Ruh’;
Doch ist mir oft, als hört’ mein Herz ich sagen,
Man wird uns nennen noch in späten Tagen!”

Nach diesen Worten hielt sie unwillkürlich inne
Und nahm Herr Kuonrad darum nun das Wort.
Er frug: „Ja, wo bleibt Ihr denn, wenn im Vater
Verlieret Ihr, einst Euern Schutz und Hort? —
Ihr wisst, der Weise denket auch an Morgen;
Mich würd’ es schmerzen, wüßt’ ich Euch in Sorgen!”

„Habt vielen Dank, Herr!” lautete die Antwort Elsbeths,
„Es wäre unnütz, wenn Ihr Sorgen hegt.
Bekanntlich wird ja in den deutschen Gauen
Der Frauen Recht vom Manne stets gepflegt;
Wir kennen nicht des Willens frei Genießen,
Auch ziemt uns schlecht das eigene Entschließen.”

„So darf auch mir mit nichten für die Zukunft bangen.
Ich soll, wie dieses armen Töchtern geht,
Im Sankt Agnesenstifte zu Schaffhausen
Mein Leben Gott darbringen im Gebet;
Der Vater glaubt, er wird dann ruhig sterben
Und sich und mir das Himmelreich erwerben.”

„In’s Kloster! Ihr?” rief voll Entrüstnug da Herr Kuonrad
Und riß den Rappen einen Schritt zurück.
„Der Jugend schöne Tage wolltet Ihr vertrauern?
Von selbst entsagen allem Erdenglück? —
Könnt Ihr dies thun, so sag’ ich ohne Scheuen,
Zeit meines Lebens soll mich nichts mehr freuen!”